Jüdische Hall of Fame
Der Schriftsteller Isaac Bashevis Singer machte sich nicht viel aus der Filmversion seiner Kurzgeschichte «Yentl, the Yeshiva Boy» aus dem Jahre 1983 mit Barbra Streisand in der Hauptrolle. Der verstorbene Nobelpreisträger konnte sich mit der Idee eines ernsthaften Talmudstudenten, der auf einmal zu singen beginnt, nicht anfreunden. Viele Kinogänger aber liebten die Kombination Singer-Streisand. Das ist auch der Grund, warum die beiden zu den ersten 18 Berühmtheiten gehören, die für die Hall of Fame des National Museum of American Jewish History ausgewählt worden sind.
Die Liste enthält weitere berühmte Namen wie Irving Berlin, Leonard Bernstein und Steven Spielberg, Estée Lauder und Sandy Koufax. Der Sprung in die Liste gelang auch den Wissenschaftlern Albert Einstein und Jonas Salk, der Gewerkschafterin Rose Schneiderman und Louis Brandeis, einem führenden Zionisten und dem ersten jüdischen Mitglied des Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten.
Auch jüdische Gemeinde-Grössen finden sich in der prominenten Liste, einschliesslich vier Rabbiner (Mordechai Kaplan, Isaac Leeser, Menachem Mendel Schneerson und Isaac Mayer Wise) sowie Aktivistinnen wie Emma Lazarus und Henrietta Szold. Mit Golda Meir schuf es auch eine israelische Premierministerin auf die Liste. Meir war 1906 von Kiew nach Milwaukee emigriert, wo sie 15 Jahre lebte, bevor sie ins damalige Palästina einwanderte.
Michael Rosenzweig, Präsident und Verwaltungsratsvorsitzender des Museums, unterstreicht die Tatsache, dass ein wesentlicher Teil der auf der Liste aufgeführten Menschen ausserhalb der USA zur Welt gekommen ist; er betont die Zentralität des Immigrationserlebnisses für die jüdisch-amerikanische Identität. Die Hall of Fame wird Bestandteil der Hauptausstellung des Museums sein, wenn dieses im Jahre 2010 seine Tore in der Independence Mall öffnet.
Diesen Sommer hat das Museum die Öffentlichkeit dazu aufgefordert, online für 218 Kandidaten abzustimmen. Es trafen über 209 000 Stimmen aus 56 Ländern ein. Die acht Kandidaten mit den meisten Stimmen haben es, so Rosenzweig, in die Liste geschafft, doch das Museum veröffentlicht die Gesamtzahlen der Stimmen nicht. Kuratoren der Institution haben die massgeblichen Entscheidungen getroffen. «Das
Ganze war nie als Beliebtheits-Wettbewerb gedacht», so Rosenzweig. «Die 18 Finalisten repräsentieren einen Konsens zwischen der öffentlichen
Meinung und der Meinung des Personals des Museums.»
Die ursprüngliche Liste der Kandidaten brachte Kritiker auf den Plan, wie den JTA-Kolumnisten Edmond Rodman, der darauf hinwies, dass Kandidaten aus der Welt der Nahrungsmittel ebenso fehlten wie solche aus der Spielzeugindustrie oder Erfinder und Designer. In einer Kolumne im «Forward» schrieb Rodman: «Es ist die gleiche alte kategorisierte Liste, die von Experten zusammengestellt worden ist, die sich möglicherweise in Geschichte auskennen, die aber keine Ahnung haben, wer den Geschmack und die Ansichten der Massen geprägt hat.»
Wenn einer Ihrer Favoriten nicht auf der Liste figuriert, so sollten Sie die Hoffnung nicht aufgeben. Irgendwann einmal wird das Museum laut Rosenzweig eine neue Liste von 18 jüdischen Amerikanern zusammenstellen, die in der Ausstellung zu sehen sein werden. JTA