Jüdische Boxerin verteidigt WM-Titel
Carolina Raquel Duer, 33, gleicht in vielen Belangen einem typischen jüdischen Mittelklase-Durchschnittkind aus Buenos Aires. Sie durchlief eine jüdische Schule, arbeitete im Kibbutz, bereiste Israel und absolvierte ihre Bat Mizwa in einer konservativen Synagoge. Als sie aber am 12. November vor 2400 Zuschauern in den Ring stieg, demonstrierte sie eine Reihe von Talenten, die in der Regel nicht synonym sind für jüdische Frauen in Argentinien. Zum dritten Mal verteidigte sie nämlich ihren WBO-Weltmeistertitel im Super-Fliegengewicht, indem sie die Uruguayerin Maria Jose Nunez durch ein technisches Knock Out in der dritten Runde besiegte. Die unter dem Übernamen «The Turk» bekannte Duer ist die Tochter von Eltern, die aus Syrien nach Argentinien eingewandert sind. «Ich hatte die gesellschaftlichen Aktivitäten der jüdischen Gemeinde immer gerne», erzählte sie, «doch manchmal geriet ich in die Bredouille, weil ich mich für benachteiligte Kinder einsetzte. Mit Ungerechtigkeiten hatte ich stets meine Probleme.» So schlug sie letztes Jahr einen Dieb nieder, der ihr auf der Strasse ihre Tasche stehlen wollte. «Ich glaube nicht, dass der Kerl wieder einmal ein Mädchen bestehlen wird.» Als Amateurin gewann Duer 19 ihrer 20 Kämpfe, und seit 2007 gehört sie dem Profilager an. Dort stehen ihren drei Niederlagen bisher neun Gewinne gegenüber. – Duer ist die achte argentinische Frau, die eine WBO-Boxtitel errungen hat, aber die erste Jüdin ihres Landes. Sie hofft, sich in New York niederzulassen und im legendären Gleason’s Gym in Brooklyn zu trainieren, wo auch der berühmte jüdische Boxer Yuri Foreman anzutreffen ist. Duer möchte sich auch vermehrt in erzieherischen Aktivitäten engagieren und Kindern den Unterschied zwischen Boxen und Kämpfen beibringen. [TA]