Juden und Christen auf gutem Weg

Von Katja Behling, April 7, 2009
Nach dem Eklat um die Holocaust-Leugnung von Bischof Richard Williamson wird die Israel-Reise des Papstes mit besonderer Spannung erwartet. Sie birgt auch eine Chance für den Frieden in Nahost.
PAPST BENEDIKT XVI. AUF DEM PETERSPLATZ IN ROM Pilgerreise nach Israel im Mai

Kaum waren die ärgsten Wogen, die der Eklat um Bischof Richard Williamson zu Jahresbeginn ausgelöst hatte, geglättet, terminierte Papst Benedikt XVI. seinen bereits seit Längerem angekündigten Besuch im Heiligen Land. Vor Zehntausenden Besuchern auf dem Petersplatz in Rom sagte er am zweiten Märzsonntag beim Angelus-Gebet, dass er vom 8. bis zum 15. Mai nach Israel reisen werde. Diese Reise, die das katholische Kirchen¬oberhaupt ausdrücklich als Pilgerreise bezeichnete, soll nach Angaben des Vatikans nach Amman, Jerusalem, Bethlehem und Nazareth führen. Er wolle Gott an den Stätten des irdischen Wirkens Jesu um das «kostbare Geschenk der Einheit und des Friedens für den Nahen Osten und die ganze Menschheit bitten», sagte der Pontifex.
An die Reise knüpft nicht nur der Papst hohe Erwartungen. Israels Präsident Shimon Peres äusserte sich hocherfreut. Doch Benedikt XVI. kommt nicht nur der Einladung des israelischen Präsidenten, sondern auch der des Königs von Jordanien, des Präsidenten der Palästinenserbehörde und der katholischen Ortsbischöfe nach. Ist das Ringen um Frieden in Nahost eine kontinuierliche Herausforderung, verleihen die jüngsten Belastungsproben, denen das christlich-jüdische Verhältnis ausgesetzt war, dieser Reise überdies besondere Bedeutsamkeit. Der World Jewish Congress (WJC) begrüsste die offizielle Ankündigung des Vatikans. Sie komme zum rechten Zeitpunkt, erklärte der Präsident des WJC, Ronald S. Lauder. Er verwies auf die jüdisch-katholischen Kontroversen über die Aufhebung der Exkommunikation des Holocaust-Leugners Williamson, das Karfreitagsgebet sowie die historische Rolle von Papst Pius XII. Nach dem neuerlichen Bekenntnis der katholischen Kirche zum Zweiten Vatikanischen Konzil, insbesondere der Erklärung «Nostra Aetate», und den von beiden Seiten in den vergangenen Wochen bereits vielfach bekräftigten Willen zum christlich-jüdischen Dialog, wird der geplante Besuch des Papstes in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Va¬shem ein besonderes Zeichen setzen. Vor allem eines des Friedens und der Versöhnung. Die Reise sei eine «Ermutigung, die Schwierigkeiten zu überwinden und Lösungen für die Probleme in der Region zu finden», sagte der Nuntius in Israel, Erzbischof Antonio Franco, im Sender Radio Vatikan. Lösungen für beide Seiten – Juden und Christen, auch und gerade in Nahost: Franco sieht gleichzeitig die schwierigen Verhandlungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Israel an beiden Fronten auf gutem Weg.    ●

Katja Behling ist Journalistin und Publizistin. Sie lebt in Hamburg.