Juden, Christen und Moslems gegen Hass
Nach einem eintägigen Treffen in Budapest unterstrichen jüdische, christliche und moslemische Persönlichkeiten die Notwendigkeit für Erziehung zur Verhinderung «religiöser und kultureller Feindseligkeit». Die Teilnehmer der Tagung appellierten an die «Integrität religiöser Führer in der ganzen Region, mutig zu ihrer Gefolgschaft zu sprechen, um die Schmerzen und das Gefühl des Verlustes in einen Katalysator zu wandeln, der die Wunden heilen und das Zerstörte wiederaufbauen wird». Die Zusammenkunft von Budapest - die erste derartige Konferenz seit dem Kosovo-Konflikt - ist vom Europäischen Jüdischen Kongress (EJC), von der Konferenz Europäischer Rabbiner und den Organisationen des Europäischen Synagogenrates unterstützt worden. «Wir hoffen», so sagte EJC-Generalsekretär Serge Cwajgenbaum, «dass der Lenkungsausschuss im September tagen, und dass diese Bemühungen die religiöse Führung in ihren Anstrengungen gegen politische Extremisten bestärken wird.» In Budapest kamen Persönlichkeiten der katholischen, orthodoxen und protestantischen Kirchen zusammen sowie religiöse und Laienführer moslemischer und jüdischer Gemeinden. Nebst Vertretungen aus Jugoslawien, Bosnien-Herzegowina und Kroatien waren Delegationen aus Mazedonien, Bulgarien, Ungarn und Rumänien an den Anlass gekommen. Zudem nahmen Vertreter weiterer europäischer Staaten teil. Jacob Finci, Präsident der jüdischen Gemeinde Bosnien-Herzegowinas, erklärte, in Budapest seien die Möglichkeiten «einer Zusammenarbeit in Südost-Europa» erörtert worden. «Wir Juden versuchen dabei, die Rolle eines ehrlichen Vermittlers zu spielen», fügte er hinzu. «Als einzigen geht es uns weder um Macht noch um Territorium. Wir, die wir so oft in unserer Geschichte die Opfer waren, wissen, wie schwierig und gleichzeitig wichtig es ist, zu vergeben und normale Beziehungen zu schaffen, vor allem in einer Region, die so fragil wie der Balkan ist.» Hammad Mustapha, Sekretär der Fakultät für Islamische Studien in Skopje, Mazedonien, gab zu, dass während des Treffens politische Spannungen auftraten. «Wir fanden aber eine gemeinsame Sprache und erkannten, dass wir uns besser kennenlernen und mehr für Frieden und Toleranz arbeiten sollten. Unsere Region braucht diese Verpflichtung mehr denn je.» Die Teilnehmer des Budapester Treffens kamen überein, dass die religiösen Gruppen sich gegen andere Religionen gerichtete Gewalt aussprechen und die Opfer solcher Aggressionen unterstützen sollten. «Religiöse Gemeinden auf dem Balkan haben einen starken Einfluss nicht nur unter den Gläubigen, sondern auf die Gesellschaft im weiteren Sinne», sagte Irinej Bulovic, der serbisch-orthodoxe Bischof von Backa. Die religiösen Gefühle seien aber, wie er hinzufügte, missbraucht worden.