Judaica – Eine Reise durch jüdische Welten

October 12, 2009

Nur selten lohnt es sich, wegen eines kulturellen Ereignisses gleich ein ganzes Themenheft zu machen. Aber die bevorstehende Eröffnung der Ausstellung «Eine Reise durch jüdische Welten» in der Amsterdamer Bibliotheca Rosenthaliana (siehe Foto) nötigt uns fast zu 
einer ausführlicheren Betrachtung von Judaica und Hebraica. In 
Amsterdam sind Spitzenstücke aus der Kollektion des Zürchers René Braginsky zu sehen. Sein Name wird etwa von den Spezialisten beim Auktionshaus Sotheby’s spontan auf die Frage nach den bedeutendsten Sammlern auf diesem Gebiet genannt. Diese Ausgabe soll in dieses komplexe und für Laien kaum überschaubare Feld einführen.

Nur selten machen leidenschaftliche Kenner wie René Braginsky ihre Schätze der Öffentlichkeit zugänglich. Braginsky hat exquisite hebräische Manuskripte und gedruckte Bücher zusammengetragen. Dabei überwiegen Handschriften aus der Zeit von 1288 bis zur Gegenwart. Im Gespräch mit aufbau-Chefredaktor Yves Kugelmann vermittelt Braginsky Einblicke in seine Sammlertätigkeit. Daneben wirft Emile Schrijver, der Direktor des Menasseh ben Israel Institute in Amsterdam, einen genaueren Blick auf die Ausstellung. «Eine Reise durch jüdische Welten» wird am 16. Oktober in Amsterdam eröffnet und danach im Yeshiva University Museum in New York sowie im Jerusalemer Israel Museum gezeigt. In New York ist mit Menahem Schmelzer auch einer der Fachleute zu Hause, die Braginsky beim Aufbau seiner Sammlung beraten haben. Unsere New Yorker Kollegin Monica Strauss stellt den langjährigen Leiter der Bibliothek am Jewish Theological Seminary vor.
Eine Schmelzer sicherlich vertraute philosophische Betrachtungsweise der «Religion im Licht der Schrift» legt Mordechai Piron dar, ehemals Oberrabbiner der israelischen Streitkräfte und der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich. Piron liest Schriftstücke als Schlüssel zur jüdischen Geschichte. Dies bestätigen aus einer ganz anderen Perspektive Jennifer Roth und Sharon Mintz. In unserem Beitrag zum Judaica-Handel erklären die beiden Spezialistinnen bei Sotheby’s, dass ihre Kunden mit illuminierten Handschriften oder raren Druckwerken immer auch eine meditative Reise aus dem Getümmel des Alltags zu ihrer Jüdischkeit unternehmen.
Ebenfalls auf dem «Marktplatz für das Volk des Buches» ist Eric Chaim Kline zuhause. Der in Los Angeles lebende Händler und Sammler erläutert die Trends auf dem Judaica-Markt und bestätigt den Eindruck, dass die Preise bei Sotheby’s trotz der Finanzkrise stabil geblieben sind. Kline macht zudem deutlich, dass Auktionshäuser und Internet-Spezialisten wie Kedem traditionellen Händlern seines Schlages zunehmend das Leben schwer machen. Es ist daher nicht erstaunlich, dass Roth und Mintz auch beim Verkauf der vom Londoner Diamantenhändler angelegten Valmadonna Trust Library engagiert sind, die unsere Hamburger Kollegin Katja Behling vorstellt. Derzeit ist noch offen, wohin die Reise dieser ausserordentlichen Sammlung führt.    ●