Journalismus in der Schweiz

von Heinz Roschewski, December 16, 2009
Der Schweizer Jounalist Othmar Hersche hat Buch über sein Leben geschrieben, das ein wichtiges Werk der Schweizer Mediengeschichte geworden ist.
Im Nachrichtengeschäft Der ehemalige Programmdirektor des Schweizer Fernsehens Ulrich Kündig (l.) und der damalige Tagesschau-Chef Othmar Hersche im Jahr 1979 in Zürich

Othmar Hersche, geboren 1934, arbeitete nach dem Studium zuerst in der damaligen katholisch-konservativen Presse, bei der St. Galler «Ostschweiz» und beim «Aargauer Volksblatt», bevor er Programmgestalter der Abteilung «Wort» von Schweizer Radio DRS in Bern wurde. 1971 bis 1974 war er Chefredaktor des CVP-Zentralorgans «Vaterland» in Luzern, wurde dann Programmdirektor DRS und 1978 sogar Direktor von Radio und Fernsehen DRS, anschliessend Chefredaktor der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens. Die letzten zehn Jahre seines Berufslebens in den Schweizer Medien produzierte er als Journalist und Redaktor Hintergrundsendungen für Radio DRS. Sein Buch «Erinnerungen an den Journalismus» ist ein wichtiges Stück Mediengeschichte und zugleich ein Blick vorwärts in die Zukunft der in der Schweiz in grosser Umwälzung befindlichen Medien Presse, Radio und Fernsehen. Aufgrund seiner fachlichen Kompetenz, seiner ausgeprägten Menschlichkeit und seiner Weitsicht umfassen seine detaillierten Erinnerungen auch Begegnungen mit interessanten und gewichtigen Persönlichkeiten des kulturellen und des politischen Lebens und geben somit Einblicke in den Hintergrund von Menschen und Geschehnissen.

Ein spezielles Beispiel ist auch für die Geschichte der Schweizer Juden bezeichnend: Im Rahmen seiner Tätigkeit in der CVP-Presse und in der Partei selber hatte Hersche auch mit Carl Doka zu tun. Doka war ein führender Mann der katholisch-konservativen Presse, war Redaktor der «Ostschweiz» und der «Neuen Zürcher Nachrichten», dann wurde er Leiter des kulturellen Auslandspressedienstes der Pro Helvetia und wirkte in akademischen Zirkeln. Othmar Hersche enthüllt in gravierenden Einzelheiten den Antisemitismus von Carl Doka, der in katholischen Kreisen Brandreden hielt. So soll er schon 1924 gesagt haben, die Juden seien gesellschaftlich nicht integrierbar und daher sei es Christenpflicht, ihren Einfluss zu begrenzen. Urs Altermatt hat darüber bereits in seinem 1999 erschienen Buch «Katholizismus und Antisemitismus» geschrieben. Wie Hersche aber hinzufügt, habe es sich bei Doka um keinen Einzelfall des christlichen Antisemitismus gehandelt haben.         

Othmar Hersche: Erinnerungen an den Journalismus. Rotpunktverlag, Zürich 2008.