Jean Halpérin
Weg in die Schweiz
1918 verliessen Jean Halpérins Eltern Russland und hielten sich, bevor sie sich in Paris niederliessen, einige Zeit in Deutschland und vor allem in Wiesbaden auf, wo 1921 ihre Zwillingssöhne Jean und Vladimir geboren wurden. Horace, der älteste Sohn, kam 1916 noch in Russland zur Welt. Jean und seine Brüder absolvierten ihre Mittel- und Hochschulausbildungen in Paris. Nachdem die Familie 1940
Paris verlassen hatte, um in die «freie Zone» zu flüchten, erlangte Jean seine Abschlüsse in Jurisprudenz und Geschichte in Lyon, vervollständigt durch Dissertationen in Rechtsgeschichte und Wirtschaftspolitik. 1943 konnte die Familie dank der Visa, die eine Schwester ihrer Mutter und deren Mann Paul Dreyfus-de Gunzburg in Basel für sie erhielten, Aufnahme in der Schweiz finden. Jean Halpérin beendete seine Doktorandenstudien an der Universität Zürich mit einer viel beachteten Arbeit zum Thema «Die Versicherungen in der Schweiz und der Welt – ihre Rolle in der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung», die bei La Baconnière 1945 veröffentlicht wurde. 1947 wurde er von der Universität Zürich zum Privatdozenten ernannt, später zum Professor. Er lehrte aber auch an der Universität von Grenoble. 1958 wurde er zuerst Mitglied, ab 1968 Präsident des Vorbereitungskomitees für die Kolloquien der intellektuellen Juden französischer Sprache. Gleichzeitig war er von 1948 bis 1981 Funktionär bei den Vereinten Nationen in Genf, wo er die Sprachdienste leitete. Ab 1981 setzte er sich an der Seite von Gerhart M. Riegner für den interreligiösen Dialog mit den christlichen Kirchen ein. Von 1993 bis 2000 lehrte Jean Halpérin als Nachfolger von Emmanuel Lévinas an der Universität von Fribourg jüdisches Denken. [JCA]