ISRAELMÜDE

Cnaan Lipshiz, February 12, 2009
Wahlen schwer zu verkaufen

> Nach dem Drama des Gaza-Kriegs erwarteten in Israel akkreditierte Auslandskorrespondenten einen schweren Kampf bei den Bemühungen, ihren Redaktoren und der Öffentlichkeit zu Hause Berichte über die Knessetwahlen zu verkaufen. «Man muss die neuen Realitäten in den USA berücksichtigen», sagte der Brite Simon McGregor-Wood von ABC News. «Wir haben diese beeindruckende neue Administration, die zu einer Zeit enormer finanzieller Schwierigkeiten spannende, neue Pläne präsentiert.» Während das geschäftige Getue rund um Obamas erste Tage im Amt Israel medienmässig vielleicht an die Wand gedrückt hat, könnte die Situation laut McGregor-Wood aber auch Interesse auslösen: «Obama erklärte von Anfang an, dass er beabsichtigt, sich aktiv im Nahen Osten zu engagieren.» Der Korrespondent schloss auch nicht aus, dass die Beziehungen zwischen Israel und den USA sich im Falle eines Wahlsiegs von Binyamin Netanyahu schwieriger gestalten könnten. «Das könnte der Aspekt unserer Geschichte werden», meinte er. Arne Lapidus, der für schwedische Blätter berichtet, kam zum ersten Mal 1981 nach Israel, als sich das Land mitten in einem dramatischen Wahlkampf befand. «Das ist meine achte Wahlkampagne, doch mir kommt es vor, als ob es 20 gewesen wären.» Das Tzippi Livni eine Frau ist, erhöht das Interesse bei schwedischen Leserinnen, nicht zuletzt weil Mona Sahlin, die Oppositionsführerin in Schweden, Chancen hat, nächstes Jahr zur ersten weiblichen Regierungschefin ihres Landes gewählt zu werden. Teije Brandsma, Israel-Korrespondent für die grösste niederländische Tageszeitung «De Telegraaf» glaubte, der Einfluss des Gaza-Kriegs auf das Wahlergebnis werde der ausschlaggebende Aspekt seines Berichts sein. «Nach der israelischen Invasion beschäftigt sich die Welt heute mit den Menschen im Gazastreifen», sagte er, «weshalb dieser Aspekt hervorgehoben werden dürfte.» Zudem sei es, wie er meinte, interessant, dass sich in Israel politisch offenbar ein Trend nach rechts abzeichne, während sich Europa und die USA in eine «gegenteilige, progressivere Richtung» bewegten.