Israelische Promis mischten kräftig mit
In Washington rumort es. Zahlreiche Kongressabgeordnete können sich anscheinend nicht mit der Begnadigung abfinden, die Bill Clinton kurz vor seinem Abschied aus dem Weissen Haus dem bis dahin u.a. wegen Steuerhinterziehung seit 1983 vom FBI gesuchten Financier Mark Rich gewährt hat (vgl. JR Nr. 4). Ein Kongress-Mann will eine Untersuchung einleiten, und ein Republikaner hat bei der Senantskommission für Ethik eine Klage eingereicht. Vor allem will er die Frage der Verwicklung Hillary Clintons in die Sache prüfen lassen. Die frischgebackene Senatorin hat offenbar von Mark Richs ex-Gattin eine grosszügige Spende erhalten.
Laut Berichten in der israelischen Presse sind verschiedene prominente Israelis indirekt in das Begnadigungsverfahren involviert. Nach Angaben der «New York Times» nämlich sind Briefe, in denen israelische Bürger ihren Dank und ihre Wertschätzung für die Unterstützung zum Ausdruck gebracht haben, die sie bzw. die von ihnen vertretenen Organisationen von Mark Rich erhalten haben, dem Präsident Clinton unterbreiteten Begnadigungsgesuch beigelegt worden. In den meisten Fällen geschah dies, wie die Zeitung «Yediot Achronot» zu berichten weiss, ohne dass die Verfasser der Briefe um ihr Einverständnis gebeten worden seien. So hat im vergangenen November Avner Azulai, ein ehemaliger Agent des Mossad-Geheimdienstes, der heute die «Rich-Foundation» in Israel leitet, Prof. Jonathan Halevi, den Vorsteher des medizinischen Zentrums «Shaare Zedek», um ein Dankesschreiben für die Hilfe ersucht, die die Stiftung dem Krankenhaus gewährleistet. Gegenüber der «New York Times» vertrat Halevi die Ansicht, man hätte zumindest seine Einwilligung für die Benutzung des Briefes zur Unterstützung des Gnadengesuchs einholen können.
Ein gleiches Schreiben Teddy Kolleks wurde für denselben Zweck verwendet, ohne dass der ex-Bürgermeister um seine Zustimmung gebeten worden wäre. «Ich habe kein Problem damit», meinte Kollek im Nachhinein. Auch die Schauspielerin Gila Almagor wusste nichts von diesen Absichten, zeigte sich aber erfreut über Richs Begnadigung. «Wenn mein Brief dazu beigetragen hat, warum auch nicht?», sagte sie. Nur James Snyder, der Direktor des Israel-Museums, war zum vorneherein über den Zweck des Briefes informiert worden.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP haben sich auch Israels Aussenminister Shlomo Ben-Ami und Shabtai Shavit, ex-Chef des Mossads, zugunsten Mark Richs an Bill Clinton gewandt. Shavit soll in seinem Schreiben auf die Hilfe des Financiers bei der Suche nach vermissten israelischen Soldaten, aber auch bei der Heimschaffung von Juden aus Ländern der Bedrängnis (u.a. Jemen) nach Israel hingewiesen haben. Auch Regierungschef Ehud Barak setzte sich in einem Telefongespräch mit Clinton für Mark Rich ein.
Die Reaktionen aus Washington auf dieses Vorgehen lassen vermuten, dass das letzte Wort in der Affäre Mark Rich noch nicht gesprochen ist, zumindest nicht in den USA.