In die Forschung investieren

Ora Cohen, November 12, 2009
Die Deutsche Telekom will ihre Forschungsinvestitionen in Israel verdoppeln. Das enthüllte deren Verwaltungsratsvorsitzender René Obermann gegenüber der Zeitung «The Marker».
FORSCHUNGSINVESTITIONEN VERGRÖSSERN Die Deutsche Telecom sieht in Israel viel Potenzial für Innovationen

Der Löwenanteil des zusätzlichen Investitionspaketes der Deutschen Telekom in Israel wird dem Vernehmen nach dem Forschungslabor des deutschen Riesenunternehmens an der Ben-Gurion-Universität des Negev zufliessen. Das Labor ist seit drei Jahren in Betrieb. Obermann, welcher der Telekom seit 2006 vorsteht, versprach die zusätzlichen Investitionen, als er in Israel am Forum des Europäisch-Israelischen Business-Dialogs teilnahm.

Bisher hat der deutsche Telekommunikationskonzern nach Schätzungen von Branchenkennern über 20 Millionen Dollar in Israel investiert. Von diesen Geldern gingen in den letzten drei Jahren mindestens 16 Millionen an das Universitäts-Laboratorium. Da die Firma, so Obermann, höchst zufrieden ist mit den Ergebnissen ihrer Investitionen, beabsichtigt sie, diese Summe innert der nächsten drei Jahre zu verdoppeln.

Fortschritte bei Netzwerk-Sicherheit

Das Labor dürfte aber nur einer der Nutzniesser der Grosszügigkeit der Deutschen Telekom sein. Einerseits steht ausser Zweifel, dass die Firma ihr Forschungs- und Entwicklungszentrum an der Ben-Gurion-Universität in Beersheva ausweiten will, doch Obermann macht kein Geheimnis daraus, dass im Rahmen der Verdoppelung des Forschungsbudgets für Israel noch andere Pläne verfolgt werden. «Wir haben in drei junge Firmen investiert, die Technologien entwickeln», sagt er. «Wir sind sehr zufrieden mit den aus Israel resultierenden Projekten und versuchen, von Innovationen in den Bereichen von Netzwerk-Sicherheit und IPTV – Internet übers Fernsehen – zu profitieren.»

Das Ben-Gurion-Zentrum war das erste für die Telekom ausserhalb Deutschlands. Mit einem finanziellen Kissen von 16 Millionen Dollar für die ersten drei Jahre versehen, arbeitet es eng mit der Berliner Zentrale der Firma zusammen. Das Labor in Beersheva engagiert sich zwar in verschiedenen Bereichen, doch einer seiner gewichtigsten Schwerpunkte steht im Fokus der heutigen Online-Welt: Informations-Sicherheit.

An einem Treffen mit Binyamin Ben-Eliezer, dem israelischen Minister für Industrie und Handel, sagten Vertreter der Deutschen Telekom, die Gesellschaft beabsichtige, die Zahl der am Ben-Gurion-Zentrum arbeitenden Fachleute für Forschung und Entwicklung zu erhöhen. Während das Forschungs- und Entwicklungszentrum der Deutschen Telekom in Deutschland 200 Personen beschäftigt, strebt die Firma für das israelische Zentrum eine Belegschaft von 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an. Ferner soll das Zentrum von seinem heutigen Standort in einen für Beersheva geplanten High-Tech-Park verlegt werden.

Expansion durch Erwerbung

«Im Gegensatz zu anderen, die fragen, was Israel ihnen geben kann, frage ich, war wir unternehmen können, um das technologische und innovative Potenzial Israels besser nutzen zu können. Wie können wir zum beidseitigen Profit rascher in den Genuss technologischer Innovationen gelangen?», so Obermann. Die Deutsche Telekom wäre, wie er hinzufügt, interessiert, einen grösseren Beitrag für Startup-Firmen in Israel zu leisten. «Wir sind sehr beeindruckt vom Niveau der Innovationen in diesem Land.»

In den letzten Jahren hat sich die Telekom im Bereich Mobilfunk- und Medientechnologien engagiert, wobei die Expansion teilweise durch Erwerbungen vollzogen wurde. Die Strategie des Erwerbs von Beteiligungen in Israel würde, so Obermann, weder von der Sicherheitslage noch von politischen Entwicklungen beeinflusst. Der Vorsitzende unterstreicht aber, dass die Deutsche Telekom zum jetzigen Zeitpunkt keine neuen strategischen Investitionen in Israel plane. Man müsse jetzt in erster Linie in Amerika und Europa erworbene Firmen in den Konzern einverleiben. In diesen Gegenden der Welt seien die Investitionsmöglichkeiten zudem attraktiver als in Israel. Telekom arbeitet aber eng mit zwei führenden israelisch-amerikanischen Unternehmen zusammen: mit Amdocs, welches Rechnungs- und Kundensysteme für Telefongesellschaften produziert, und mit Comverse, einer Firma, die sich auf die Voicemail-Technologie konzentriert.