Immer mehr aus eigener Tasche
Das israelische Gesundheitswesen wird zu 43 Prozent von privater Seite bezahlt. In absoluten Zahlen ausgedrückt sind das 23 Milliarden Schekel pro Jahr. Seitdem das Gesetz für die nationale Gesundheitsversicherung im Jahre 1995 in Kraft getreten ist, das jedem Einwohner medizinische Versorgung garantieren soll, ist nach Angaben des Zentralbüros für Statistik der Anteil der öffentlichen Hand an den Gesundheitsausgaben von 31 auf 43 Prozent gestiegen; der Zuwachs beläuft sich somit auf 34 Prozent. Alles in allem betragen die Ausgaben für das Gesundheitswesen in Israel somit 54 Milliarden Schekel im Jahr.
Diese Zahlen stammen von einer Analyse des Zentralbüros für Statistik, die gemäss den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation durchgeführt wurde und die Zahlen bis Ende 2007 berücksichtigt. Bis zur Veröffentlichung der Ergebnisse hatten das Gesundheitsministerium und das Zentralbüro den privaten Anteil an den Gesundheitsauskosten auf 33 Prozent der Gesamtausgaben geschätzt. Die Gesundheitssteuer, die direkt vom Einkommen der Steuerpflichtigen abgezogen wird, deckt 25 Prozent der Gesundheitskosten. Addiert man dies zu den privaten Ausgaben, kommt man auf ein viel höheres Niveau als in den meisten Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Kooperation und Entwicklung (OECD).
Fünf Milliarden Schekel für Medikamenete
Der grösste Teil der Ausgaben – 24 Prozent der Privatausgaben – entfällt auf Medikamente und medizinische Ausrüstung. Medikamente alleine kosten die Israeli über fünf Milliarden Schekel pro Jahr. Den Grossteil diese Summe macht der Selbstbehalt für subventionierte Medikamente aus. Der Bericht unterstreicht ferner die Macht der Krankenkassen bei der Abgabe von Medikamenten. Die Hälfte aller Direktkäufe der Haushalte wurde über die Krankenkassen abgewickelt. Das sind sechs Prozent mehr als vor einem Jahr. Dagegen ging der Anteil der Käufe bei privaten Apotheken zwischen 2000 und 2007 von 46 auf 37 Prozent zurück. Der zweitgrösste Ausgabenposten – er macht 21 Prozent des Gesamttotals aus – betrifft die Zahnarztkosten, die vom staatlichen Gesundheitswesen nicht gedeckt werden.
Der Hauptgrund für den scharfen Anstieg des privaten Anteils an den Gesundheitsausgaben liegt bei den Zusatzversicherungen. Deren Anteil ist von fünf Prozent im Jahr 1995 auf 15 Prozent 2007 gewachsen. Die Ausgaben für medizinische Versorgung sind dagegen im Verhältnis gesunken, und zwar von 82 Prozent der privaten Ausgaben 1995 auf 74 Prozent im Jahr 2007. Besorgniserregend ist der gleichzeitige Rückgang der staatlichen Finanzierung: Hatte dieser Anteil 1995 noch 68 Prozent betragen, ist er bis 2007 auf 56 Prozent gesunken. Die staatliche Finanzierung speist sich dabei aus zwei Hauptquellen, dem Anteil des Gesundheitsministeriums am Staatshaushalt sowie der Gesundheitssteuer.
Im internationalen Vergleich
Internationale Vergleiche fallen für Israel, milde gesagt, wenig vorteilhaft aus. Der Anteil der öffentlichen Hand an den Gesundheitsausgaben gehört zu den niedrigsten in der entwickelten Welt. Mit seinen 56 Prozent übertrifft Israel nur gerade die USA (47 Prozent), liegt aber weit hinter Staaten wie Deutschland (77 Prozent), Frankreich (79 Prozent), Dänemark (86 Prozent) und Grossbritannien (87 Prozent). Der Durchschnitt für private Ausgaben liegt im OECD-Raum bei 27 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben. Seit einem Jahrzehnt hat sich dieser Wert nicht verändert. Dazu meint Avi Israeli, Generaldirektor des Gesundheitsministeriums: «Der Anstieg des Niveaus der privaten Ausgaben ist äusserst besorgniserregend. Eine Analyse der Zahlen des statistischen Zentralbüros zeigt, dass die Privatausgaben die seit Jahren erodierenden Finanzierungsquellen der öffentlichen Hand ersetzen. In den letzten Jahren hat das Gesundheitsministerium versucht, die Last für die Bevölkerung zu senken und den Selbstbehalt zu reduzieren. Diese Schritte sind wichtig, um allen den Zugang zum Gesundheitswesen zu garantieren; deshalb legt das Ministerium bei seiner Gesamtpolitik besonderes Gewicht auf diesen Punkt.