«Ich habe keine Ahnung von Musik»

Interview: Regula Rosenthal, October 9, 2008
Zum 35. Mal findet in diesen Tagen in Cannes, Frankreich, das Internationale Musikfestival «Midem» statt. Weltweit das grösste und wichtigste Festival dieser Art lockt über 12 000 Besucher der Musikbranche, darunter 800 Journalisten und zirka 1000 Künstler, an die Côte. Auch dieses Jahr wird «Midemnet» - das sich ganz der Musik im Internet widmet - mit von der Partie sein. Verschiedene Konzerte zeigen Trends auf und stellen neue Künstler vor, die auf dem Gebiet der klassischen Musik, Jazz, Rock, Pop und Ethnomusik ihr Können darbieten. Zahlreiche Pressekonferenzen, Podiumsgespräche, Preisverleihungen und andere Events informieren am laufenden Band Liebhaber jeglicher Musiksparte. Umrahmt wird der Mega-Anlass von Empfängen und Cocktailpartys, die bis weit in die Nacht dauern.



Jüdische Rundschau: Herr Grubmann, es heisst, dass Sie einer der mächtigsten Anwälte in der Musikbranche sind. Wie haben Sie das geschafft?
Allen Grubman: Was es dazu braucht ist: «Sechel und Maazel.» Hat man einen guten «Kopf» und zusätzlich noch etwas Glück, um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, so kann man seine Intelligenz erfolgreich einsetzen.

Jüdische Rundschau: ...und wie wird man mächtig und bekannt?
Allen Grubman: Man muss sehr aggressiv vorgehen und gleichzeitig zivilisiert bleiben. Doch ich betone, das Wichtigste ist: «Ein jiddischer Kop.»

Jüdische Rundschau: Wann haben Sie Ihre Karriere begonnen?
Allen Grubman: Ich habe 1970 mit meiner Arbeit als Anwalt in der Musikbranche angefangen, nachdem ich zunächst ein Jahr als Lehrer gearbeitet hatte.

Jüdische Rundschau: Wieso haben Sie sofort in der Musikbranche angefangen?
Allen Grubman: Schon als Kind war ich ein begeisterter «Performer». Ich habe auch gesungen. Die Unterhaltungsindustrie hat mich schon immer fasziniert.

Jüdische Rundschau: Was ist denn das Besondere, als Anwalt in der Musikbranche tätig zu sein?
Allen Grubman: Es ist wesentlich spannender als andere Gebiete und macht zudem sehr viel Spass. Dazu kommt noch, dass diese Art von Arbeit sehr lukrativ ist.

Jüdische Rundschau: Was wissen Sie über Musik?
Allen Grubman: Ich kenne mich in der Musik überhaupt nicht aus. Ich habe keine Ahnung davon. Ich denke, es ist sogar besser, wenn ich die Musik meiner Klienten nicht begutachte. Es ist einfacher für meinen Mandanten.

Jüdische Rundschau: Welche Künstler repräsentieren Sie?
Allen Grubman: Ich bin auf dem Gebiet der Popmusik tätig. Ich vertrete die Interessen unter anderen von Madonna, Bruce Springstein, U2, Elton John und MTV.

Jüdische Rundschau: Was ist das Schwierige an Ihrem Job?
Allen Grubman: Ich muss die Egos der Stars im Showbusiness ausgleichen. Das ist nicht einfach, dazu muss man schlau sein. Ich muss für meinen Kunden immer einen guten Deal abschliessen. Dazu muss ich abschätzen kön-nen, was seine Kunst wert ist, umdann entsprechende Honorare zu fordern.

Jüdische Rundschau: Macht es Ihnen denn Spass, all die verschiedenen Künstler zu treffen. Sicher sind einige darunter recht launisch und schwierig?
Allen Grubman: Künstler sind wie alle Menschen... einige sind faszinierend, wunderbar und interessant und der Rest ist...

Jüdische Rundschau: Was halten Sie vom Deal zwischen AOL (Computerfirma), Time Warner und Emi?
Allen Grubman: Emi durchläuft zurzeit eine Phase von Konsolidierung. Wie das Ganze schliesslich enden wird, das wirdsich erst später zeigen. Ich persönlich denke, dass eine Integration der Technologie stattfinden muss, um die Bedürfnisse der Öffentlichkeit zu befriedigen.

Jüdische Rundschau: Wie geht es weiter mit Sony und Bertelsmann?
Allen Grubman: Das ist die grosse Frage. Ich bin überzeugt, beide Firmen werden darauf reagieren - dementsprechend handeln, um das Beste für ihre Firmen rauszuholen.

Jüdische Rundschau: Was wird die Zukunft der Musikindustrie bringen?
Allen Grubman: Das Internet wird beim Umsatz der CDs in Zukunft eine massive Rolle spielen. Bis die gesamte Technologie des digitalen Runterladens von CDs aber soweit ist, wird es noch ein paar Jahre dauern. Der Schallplattenladen wird dann einen anderen Stellenwert haben, weil das Internet alles verändern wird.

Jüdische Rundschau: Wieso sind wohl so viele Juden in der Musikbranche tätig?
Allen Grubman: Die Unterhaltungsindustrie hat von jeher Juden fasziniert, und man hat sie in den USA wohlwollend empfangen. Zunächst waren die Juden, die von Europa kamen, die Künstler - später haben sie den geschäftlichen Teil übernommen.

Jüdische Rundschau: Was bedeutet Ihnen Israel?
Allen Grubman: Da ich Jude bin, habe ich instinktiv ein gutes Gefühl in Bezug auf Israel. Meine Gefühle haben sich noch verstärkt, denn meine Frau ist ausgesprochen pro Israel.

Jüdische Rundschau: Was bedeutet es Ihnen Jude zu sein?
Allen Grubman: Es ist ein Privileg, Jude zu sein, denn die Juden haben ein Erbe, das auf zirka 6000 Jahre Tradition zurückblickt; und dazuzugehören, ist wirklich ein Privileg.