«Historisches Verantwortungsgefühl»
Der Beschluss, die Eichmann-Notizen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, folgte auf Beratungen im israelischen Justizministerium zur Frage, ob die amerikanische Wissenschafterin Deborah Lipstadt die Unterlagen in dem Londoner Prozess benutzen darf, in dem sie vom britischen Holocaust-Leugner David Irving der Verleumdung angeklagt ist. Nach den Worten von Elyiakim Rubinstein, dem Rechtsberater der israelischen Regierung, reflektiert der Beschluss Israels «historisches Verantwortungsgefühl», alles zu unternehmen, um Holocaust-Leugner zu bekämpfen. Die 1200 Seiten umfassenden handschriftlichen Memoiren Eichmanns liegen seit fast vier Jahrzehnten im Jerusalemer Staatsarchiv und konnten bisher nur von wenigen Wissenschaftern eingesehen werden. Der Londoner Prozess habe, so Rubinstein, den Beschluss, die Unterlagen zu publizieren, beschleunigt. Deborah Lipstadts Verteidiger wird eine Kopie des Manuskriptes erhalten. Während der Beratungen im israelischen Justizministerium bzgl. der Freigabe der Manuskripte wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass Eichmann mehrere Male geschrieben habe, dass Hitler über den Plan der Judenvernichtung informiert gewesen sei. In seinem Tagebuch hielt Adolf Eichmann an der Version fest, nur ein Befehlsausführer gewesen zu sein, leugnete aber nicht, dass der Holocaust stattgefunden hat.