Hillary Clinton leitet Vermittlungsversuche

September 7, 2011
USA machen sich strategische Sorgen wegen des Krachs zwischen Ankara und Jerusalem.
Hillary Clinton soll vermitteln

Während die diplomatischen Beziehungen zwischen der Türkei und Israel durch den vom türkischen Regierungschef Erdogan für heute Mittwoch mit dem befohlenen Abzug der israelischen Spitzendiplomaten aus Ankara einen seit den 1980er Jahren nicht mehr gekannten Tiefstand erreicht haben, wachsen in Washington die Sorgen über den Krach zwischen den ehemaligen engen Alliierten. Laut Meldungen aus dem State Department sind hinter den Kulissen bereits intensive Vermittlungsbemühungen im Gange, bei denen Aussenministerin Hillary Clinton eine wichtige Rolle spielen soll. Im Februar 1981 hatten die Türken aus Empörung über das ein halbes Jahr zuvor von der Knesset verabschiedete Jerusalem-Gesetz die diplomatischen Beziehungen auf das Niveau des zweiten Botschaftersekretärs zurückgestuft. Erst 1992 nach der Madrider Nahostkonferenz war Ankara wieder mit einer Normalisierung der Beziehungen einverstanden. - Bei aller Beunruhigung war Jerusalem am Dienstagabend sichtlich versucht, ruhig Blut zu bewahren und auf ein diplomatisches Wunder zu hoffen. So geht Israel davon aus, dass die Türkei es trotz der verkündeten Absicht, künftig vermehrt Marineschiffe ins östliche Mittelmeer zu entsenden, nicht zu einem eigentlichen militärischen Konflikt mit Israel kommen lassen wird. Als Hauptgrund führen israelische Beobachter die Mitgliedschaft der Türken im nordatlantischen Verteidigungspakt Nato ins Feld. Dennoch macht man in Jerusalem keinen Hehl daraus, dass schon allein der Gedanke an die potentielle Anwesenheit türkischer, mit Harpoon-Raketen, Torpedos und Boden-Luftraketen bestückten Barbados-Fregatten in israelischen Gewässern Israel die Haare zu Berge stehen lässt. Das sei nach den Worten eines hochrangigen israelischen Offiziellen eine «direkte Herausforderung und Bedrohung für die israelische Souveränität», die auch dann nicht auf die leichte Schulter zu nehmen sei, wenn ihre effektive Verwirklichung unwahrscheinlich sei. – Dass in Ankara bei aller Wut auf Israel der gesunde Menschenverstand noch nicht ganz verloren sein dürfte, beweist die Ankündigung der Postierung amerikanischer Radarstationen in der Türkei. Diese Stationen werden Bestandteile des europäischen Raketenschutzschildes sein, das die USA vor allem gegen die wachsende iranische Atomgefahr errichten. Und vor dieser Gefahr fürchtet die Türkei sich nicht weniger als Israel und die USA. [JU]