«Herumlaufen ohne angst»

June 27, 2008
Wer in Sderot lebt, wird immer von der Angst und der Ungewissheit begleitet, wann und wo die nächste Kassam-Rakete einschlagen könnte. Diesem Leben durften nun 14 Jugendliche und Kinder aus Sderot für eine Woche entfliehen.

Ein Schüleraustausch der ganz besonderen Art fand letzte Woche in der Jüdischen Schule Noam statt. Während einer Woche erhielten die Schüler der Noam Besuch von neun Kindern und fünf Leitern aus der zurzeit von regelmässigen Raketenangriffen gezeichneten Stadt Sderot. Um die Schweiz von ihrer malerischen Seite kennen zu lernen, fuhren die Gäste gemeinsam mit der vierten Klasse der Noam nach Kandersteg, wo sie fünf ruhige und gleichzeitig spannende Tage verbrachten. Für den Schabbat wurden die Besucher nach Zürich eingeladen, wo sie bei den Familien der Noam-Schüler gastierten. Organisiert und finanziert wurde die Reise durch den Keren Hajessod. Gemäss Alain Picard, Mitglied im Ortskomitee von Keren Hajessod, wollte man den Kindern die Möglichkeit bieten, eine Woche ohne Sorgen zu verbringen. Picard, der das Projekt begleitete und bei dem auch eines der Kinder Schabbat verbrachte, berichtet weiter, dass die Kinder diese Woche auch entsprechend genossen haben. So meint auch Itai, einer der fünf Leiter aus Israel: «Es war wunderbar, herumlaufen zu können, ohne immer zu schauen, wo ich mich verstecken kann, wenn die nächste Rakete im Anflug ist. Die Ruhe in der Schweiz genossen wir alle sehr.» Dazu scheinen die Kinder von der Natur der Berge schwer beeindruckt. So meint Nicole, eine der Schülerinnen: «Die Landschaft und die Natur in den Bergen ist wunderschön. Und überhaupt gefällt mir, dass in der Schweiz alles so leicht vor sich geht.» Für Itaj hatte die Begegnung auch religiös einen wichtigen Stellenwert. So konnten Schüler, die zu Hause wenig praktizierend sind, Schabbat bei einer praktizierenden Gastfamilie verbringen und so das Erlebnis eines Schabbats geniessen. Es wurde den Kindern vergönnt, sich in dieser auch wirtschaftlich schweren Zeit einmal verwöhnen zu lassen. So schwärmt Nicole: «Es hat mir riesig Spass gemacht, einfach mal herumzulaufen und die Freiheit zu geniessen.» Der Keren Hajessod zeigt sich mit dem Projekt sehr zufrieden und hofft, dass die Aktion ein Vorbild für weitere derartige Vorhaben sein wird. [UR]