Herrscherin über die Galaxie

von Yves Kugelmann, New York, October 9, 2008
Wenn heute Donnerstag in den Schweizer Kinos Folge 4 des Weltraumepos «Star Wars» startet, wird auch der Stern der Hauptdarstellerin Natalie Portman heller leuchten als jemals zuvor. Im Kampf gegen das Böse rettet sie in der Rolle der Königin Amadala die Föderation an der Seite der Jedis vor aussergalaktischen Angreifern. Mit ihren 18 Jahren gilt Portman als Hollywoods grösste Nachwuchshoffnung. Den Spagat zwischen Ruhm und Normalität möchte sie allerdings zu Gunsten Letzterem entscheiden.
Königin Amidala: Im Kampf des Guten gegen das Böse. Anne Frank: «Meine grösste Herausforderung.» Natalie Portman: Das normale Mädchen von nebenan - Fotos dukas/pd

Sie ist unscheinbar, das sympathische 18jährige Mädchen von nebenan. Unauffällig gekleidet, mittlere Grösse, zierliche Statur, braune Augen und lange Haare. Beginnt sie zu sprechen, redet da eine scheue, aber selbstbewusste, unnahbare junge Frau. In Amerika wird sie bereits als die Nachfolgerin Audrey Hepburns gefeiert, von ebensolcher zurückhaltender Schönheit und im knallharten Showbiz von unüblicher Reinheit.

Vom Pizza-Restaurant an den Broadway

Bis vor kurzem sass Natalie Portman den ganzen Tag in der Schule. Diese hat sie nun beendet und sich an der Universität (Yale oder Harvard) für kommenden Herbst im Fach Biologie eingeschrieben. Vorläufig zumindest: «Vielleicht werde ich auch Ärztin oder Farmerin», fügt sie lächelnd hinzu. Das gleiche Mädchen stand noch vor einem Jahr jeden Abend nach der Schule auf der Bühne und spielte in einer Neuadaptation die Anne Frank am Broadway (die JR berichtete damals von der Vorpremiere). Ein von der Kritik zu Recht hochgelobte Inszenierung mit einer fulminant gefeierten Natalie Portman, die allabendlich Tausende zu Tränen rührte. Danach hiess es ab nach Hause nach Long Island, Aufgaben erledigen und ins Bett. Und am nächsten Morgen sass sie wieder in ihrer Klasse. Geboren in Jerusalem als Tochter eines israelischen Arztes zog Nathalie im Alter von drei
Jahren mit ihrer Familie nach New York. Portman ist seit dem achten Lebensjahr Vegetarierin und spricht heute neben Englisch und Hebräisch auch Japanisch und Französisch. Als die kleine zehnjährige Nathalie in Manhattan in einem Pizza-Restaurant sass, stellte sich ihr ein Werbeagent in den Weg und wollte sie als Modell einstellen. Die Kleine mochte mit der Werbeindustrie allerdings nichts zu tun haben. «Ich sagte ihm, ich sei nicht interessiert, ich will Schauspielerin werden.» Danach begann ein rasanter und durchwegs selbst erkämpfter Aufstieg. Der PR-Mann vermittelte Natalie einem Schauspielagenten. Es folgte eine erste Rolle in einem Off-Broadway-Stück. Nach dem Einstand auf der Bühne debütierte Natalie Portman - der Künstlername geht auf den Mädchennamen ihrer Grossmutter zurück - in Luc Bessons Film «The Professional» und erntete sogleich internationale Anerkennung. Neben Jean Reno und Gary Oldman spielte sie im Film «Leon» die Mathilde, ein junges Mädchen, das vor einem Killer flüchtet, nachdem ihre Eltern von einem korrupten Beamten der Antidrogenpolizei ermordet wurden.Euphorische Kritiken und die Nomination als beste Jung-Schauspielerin des renommierten «Hollywood-Reportes» waren das Resultat. An der Seite von Julia Roberts, Goldie Hawn, Alan Alda und Drew Barrymore spielte Portman in Woody Allens Musical «Everyone Says I Love You». Bereits als grösstes Nachwuchstalent Hollywoods fürs kommende Jahrtausend gefeiert, folgte dann Tim Burtons schwarze Komödie «Mars Attacks», wo sie die Tochter des amerikanischen Präsidentenehepaars (Jack Nicholson und Glenn Close) mimt, während Amerika von Ausserirdischen attackiert wird. Und schliesslich kam der Erfolg «Heat». An der Seite von Robert de Niro und Al Pacino spielt sie dessen Stieftochter.

Die grösste Herausforderung: «Anne Frank»

Weil sie vor knapp zwei Jahren unbedingt die «Anne Frank» spielen wollte, lehnte sie die Rolle im Film «Romeo and Juliette» an der Seite von Leonardo DiCaprio ab, und Robert Redford gab sie einen Korb zum Film «The Horse Whisperer». «The Diary of Anne Frank» bezeichnet Portman denn auch als ihre bisher grösste Herausforderung: «Das war die befriedigendste und schwierigste Aufgabe meines Lebens. Nachdem ich diese Rolle gemeistert hatte, wusste ich, dass ich alles schaffen kann.» Auf den Spuren der Anne Frank traf Portman an einem sonnigen Frühlingsnachmittag im Jahre 1997 Annes Cousin und Schauspieler Buddy Elias in Basel. Dies, nachdem sie das Tagebuch bereits mehrmals gelesen hat. Es folgt ein Besuch bei Miep Gies. Damit begann für Natalie auch die Annäherung an die Geschichte ihrer eigenen Familie: «Annes Geschichte hat für mich eine grosse persönliche Bedeutung, denn meine Urgrosseltern sind im Holocaust ermordet worden. Deshalb ist das Stück für mich auch eine persönliche Auseinandersetzung. Aber ich glaube, dies ist es für jeden Menschen.» Die das Böse besiegtNun ist Portman als Königin Amidala in der neuen Folge der Sternenkriegs-Saga «Episode I - The Dark Menace» zu sehen. An der Seite von Liam Neeson («Schindlers List») kämpft sie sich in einem technisch brillant gemachten Film in die Herzen der Zuschauer. Nach dem Hype ist sie in den USA über Nacht zum Star avanciert, eine Rolle allerdings, die ihr gar nicht behagt. Portman besinnt sich lieber wieder auf sich selbst und möchte nun das Studium konsequent in Angriff nehmen. Dass sie abseits des Rummels das Mädchen von nebenan bleiben kann, ist bei Portman wohl mehr als eine leere Phrase.Und so konzentriert sie sich lieber auf das, was ihr wichtig ist. Zum Beispiel auf Israel, wo ein grosser Teil ihrer Familie lebt: «Ich bin glücklich, dass Barak die Wahlen gewonnen hat. Unter Natanyahu hatte sich das Land derart verändert. Die Menschen wurden gegeneinander aufgebracht. Barak dagegen wird Frieden stiften.»

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Star Wars IV

Wenn morgen Freitag die Sonne über dem Planeten Erde aufgeht, dann beginnt für viele auch in der Schweiz der Tag eins nach der neuen Zeitrechnung. Zwanzig Jahre nachdem Georg Lucas mit der Kultfiktion «Star Wars» Unzählige in ein Abhängigkeitsverhältnis zur fernen Zukunft brachte, startet jetzt nach vier Filmen die jüngste Folge der Saga. «Episode 1 - Die dunkle Bedrohung» ist die erste einer triologischen Fortführung (Teile 2 und 3 folgen in den Jahren 2002 und 2005) des intergalaktischen Märchens. Als meisterwartetster Film der Kinogeschichte gepriesen, muss «Star Wars» im bröckelnden Hollywood nach dem Jahrhundertfilm «Titantic» neue Superlativen liefern. Und das tut er denn auch. Weniger mit Inhalten, umso mehr dafür mit hochmodernster Film- und vor allem Digitaltechnik sowie einer Starbesetzung (Liam Neeson, Natalie Portman und Jake Lloyd). 120 Millionen Dollar hat der Film gekostet. Mit einer noch nie dagewesenen Vermarktungsmaschinerie soll der Film die Schallmauer von einer Milliarde Dollar Einnahmen und damit den Rekord von «Titantic» durchbrechen. Und das wird wohl auch gelingen. Zwar ist die Handlung nur Dekoration. Kulisse und Effekte entspringen allerdings einem Fantasiereigen Lucas’ mit wunderbaren Landschaften und einer künstlichen Statistengalerie mit viel Witz. Während die Darsteller fast zu Statisten verkommen, ziehen die computergefertigten Fantasiefiguren die Zuschauer in ihren Bann. Somit wird zumindest garantiert, dass mit Merchandising ein Vielfaches der Filmausgaben eingespielt werden und das Georg-Lucas-Imperium weiter und weiter wächst. In den USA hat es bisher geklappt. Innert kurzer Zeit sind die Produktionskosten herausgespielt.