Heilsame «Familientherapie»
In der Hoffnung, «dass wir das Gemeinsame teilen und das Trennende respektieren wollen», dankte René Benesch, Synagogenpräsident der Jüdischen Gemeinde Bern, in seinem Grusswort für die Einladung an die Gesprächssynode der reformierten Berner Kirchen vom Dienstag in Gwatt bei Thun. Nach Abschluss der ganztägigen Versammlung zeigte sich Benesch gegenüber tachles befriedigt vom Verlauf der Diskussionen im Workshop «Judentum», den er zusammen mit Matthias Konradt, Professor für Neues Testament an der Universität Bern, geleitet hatte. Die Entstehung des Christentums aus dem Judentum müsse «unbedingt in der Kirchenordnung verankert werden», rapportierte denn auch Christine Schmid dem Plenum aus dieser Arbeitsgruppe. Mit der Verankerung der «Verbundenheit mit dem Judentum» in der Kirchenverfassung taten sich die 200 gewählten Vertreterinnen und Vertreter der rund 660000 Reformierten in den Kantonen Bern, Solothurn und Jura in den letzten Jahren schwer. Dies führte dazu, dass der interreligiöse Dialog zum Schwerpunktthema für das Jahr 2008 bestimmt wurde, was letztlich der Grund für die Einberufung der Gesprächssynode war. In seinem Impulsreferat versuchte Pfarrer Christoph Jungen (er ist auch Präsident der Christlich-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft Bern) der Versammlung den Dialog mit dem Argument schmackhaft zu machen, dass «eine Familientherapie letztlich für alle Beteiligten heilsam» sei.
Dass eine schriftliche Festlegung des Verhältnisses zum Judentum mehr als zehn Jahre nach der öffentlich-rechtlichen Anerkennung der jüdischen Gemeinden «überfällig» sei, wie Silvia Liniger von der Fachstelle Theologie sagte, blieb am Dienstag unbestritten. Die Muslime, die durch Imam Mustafa Mehmeti vertreten waren, müssen sich da wohl noch mit mehr Geduld wappnen. Eine öffentlich-rechtliche Anerkennung weiterer Religionsgemeinschaften werde «in ein bis zwei Generationen unter Umständen» zum Thema, verlautete aus der Arbeitsgruppe «Religion und (Rechts)Staat».
Peter Abelin