Hat der Mossad Assads Urin geprüft?

von Douglas Davis, October 9, 2008
Als Hafez el-Assad im letzten Februar aus Anlass von König Husseins Beerdigung in Amman weilte, soll es dem israelischen Geheimdienst Mossad gelungen sein, sich eine Urinprobe des syrischen Präsidenten zu beschaffen. Das zumindest behauptet die Londoner «Sunday Times».

Möglicherweise war Syriens Präsident Hafez el-Assad mächtig beeindruckt, als er feststellte, dass speziell für ihn eine Toilette installiert worden war, als er im vergangenen Februar in Amman weilte, um an der Beerdigung des jordanischen Königs Hussein teilzunehmen. Sicher wäre er weniger beeindruckt gewesen, wenn er gewusst hätte, dass die Toilette ein Gemeinschaftswerk des jordanischen Geheimdienstes und deren israelischen Kollegen vom Mossad war. So zumindest berichtet es die Londoner «Sunday Times» diese Woche.
Das Besondere an der Toilette war laut dem Zeitungsbericht, dass sie nicht in einen Abwasserkanal führte, sondern in einen Behälter. Wenige Minuten nachdem Assad die Toilette benutzt hatte, war eine Probe seines Urins, immer laut «Sunday Times», schon auf dem Wege nach Israel, wo in einem Spital ein Team von Pathologen und Biochemikern ungeduldig darauf wartete, mit ihrer Analyse beginnen zu können. Die Prüfung ergab dann folgendes düstere Bild: Der syrische Präsident, der bereits einen Herzanfall hinter sich hat und jetzt an Diabetes und Krebs leidet, soll nicht mehr lange zu leben haben. Die Probe habe nicht nur das Stadium der Diabetes und das Vorhandensein des Krebs im Urintrakt bestätigt, sondern soll auch noch Spuren von den zahlreichen Medikamenten geliefert haben, die Assad regelmässig einnimmt. «Die jüngsten israelischen Schlussfolgerungen laufen», so liest man in der Londoner Zeitung, «darauf hinaus, dass Assads Zeit knapp bemessen ist, und dass ein potentieller Friedenspartner verlorengehen dürfte.» Die Zeitung zitiert ferner einen Mitarbeiter Ehud Baraks, der meinte, Israel müsse unbedingt zu Lebzeiten Assads ein Abkommen mit Syrien erreichen, denn niemand wisse, was nach dem Tode des Präsidenten in Damaskus geschehe. «Möglicherweise wird es zu einem Blutbad in Syrien kommen. Assad ist ein Mann, auf dessen Wort man sich verlassen kann», sagte der Mitarbeiter.
Ein medizinischer Bericht, den der Mossad und der militärische Abwehrdienst Israel für Barak vorbereitet hat, beschreibt Assads Gesundheitszustand als schlechter werdend. Er sei bereits so schwach, dass er nur noch wenige Stunden am Tag arbeiten könne. Als Indizien für diese Entwicklung weist der Bericht u. a. auf die kurzfristige Annullierung einer Moskau-Reise und das Fernbleiben Assads von der Beerdigung des marokkanischen Königs Hassan II. hin. «Israel hat seither», so heisst es in dem Bericht weiter, «nichts erfahren, was auf eine mögliche Verbesserung des Gesundheitszustandes des syrischen Präsidenten hinweisen könnte.» Ferner behaupten die Geheimdienstler, Assad müsse sich alle paar Monate im Krankenhaus einer Blutauswechslung unterziehen. Der Mossad versuchte laut «Sunday Times», seine Rolle in der Affäre herunterzuspielen. Das Sammeln von Urinproben sei eine Routineangelegenheit für eine «Keshet» genannte Sondereinheit der Organisation.

JTA