Hashomer Hatzair

May 18, 2010

Umstrittener Jugendbund

In der Zwischenkriegszeit bildete sich in Basel ein vielfältiges jüdisches Jugendbundwesen heraus. Starken Zulauf erhielten die Jugendbünde vor allem nach 1933: Zum einen durch die Ankunft von Flüchtlingen, zum anderen aufgrund der auch hier zunehmenden Judenfeindlichkeit. Im Jugendbund, ob neutral, zionistisch oder religiös ausgerichtet, fand die junge Generation ein neues Gemeinschaftsgefühl und formte ein neues Selbstbewusstsein heraus. Während der Zionismus als philan­thropische und identitätsstiftende Bewegung unter den Basler Juden breite Sympathien genoss, tat man sich mit der Pio-nierjugend schwer. Der Umgang mit dem säkularen Haschomer Hazair und der Umstand, dass jüdisches Selbstverständnis zunehmend säkular beziehungsweise politisch geprägt war, führten in der Nachkriegszeit zu heftigen Auseinandersetzungen unter den Repräsentanten der Basler beziehungsweise Schweizer Juden. In den vorgeblich distanzierten Diskursen über jüdische Historiografie und historisches Bewusstsein wurden politische Fragen von Zugehörigkeit und Identitätsbewusstsein verhandelt. Die Irrationalität in der Argumentation und die Heftigkeit der Diskussion über die Legitimität des Zionismus gingen auf die Frage nach der geschichtlichen Bestimmung des Judentums zurück. In der Schweiz kam eine weitere spezifische Verkrampfung hinzu: Die als «geistige Landesverteidigung» bezeichnete mentale Haltung der offiziellen Schweiz ging nach 1945 unmittelbar vom Antinationalsozialismus zum Antikommunismus über. Ab 1954 wurde der Haschomer Hazair dank dem Stichentscheid des Präsidenten des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes wieder subventioniert, und die Israelitische Gemeinde Basel verweigerte dem Bund nicht länger ein Zimmer im Jugendheim – damit war die Zeit der Konfrontation vorbei. [nsi]