Haltlose Attacken gegen Siedler

Israel Harel zur Lage in Israel, October 30, 2008
Es stimmt: Es gibt junge Männer – Rüpel, wie Ehud Barak sie bezeichnet, oder Rowdies, um die Definition der Medien zu benutzen –, die Palästinenser bei der Olivenernte belästigen. Es gibt sogar welche, die Araber physisch angreifen. Zusammen mit der absoluten Mehrheit meiner Kollegen in der Siedlerbewegung kann ich nicht verstehen, wie diese Leute, von denen die meisten nie einen Juden attackieren oder seinen Besitz beschädigen würden, Arabern solche Dinge antun können. Einige von ihnen glauben sogar noch, dass sie damit ein religiöses Gebot erfüllen.

Wenn diese Menschen sich auf die Halacha (das jüdische Religionsgesetz) berufen, so sagte ich einst in einer hitzigen Diskussion mit einem Dutzend von ihnen, dann ist dies nicht meine Halacha. Und obwohl niemand mir den Auftrag zu einer solchen Aussage erteilt hat, fügte ich hinzu, dass diese Meinung von einer absoluten Mehrheit meiner Kollegen in der Siedlerbewegung geteilt werde. Ich kenne diese Kollegen seit vielen Jahren, ebenso wie die moralischen, ethischen und religiösen Werte, die sie motivieren.

In tiefem Zorn balle ich meine Fäuste, wenn ich Berichte von Jugendlichen lese, die im Stil von «Clockwork Orange» Betagte in Haifa und Tel Aviv angreifen und ihnen schwere Wunden zufügen, wenn sie ihnen ihren Arm- und Halsschmuck abreissen. Manchmal ermorden sie ihre Opfer sogar. Sind wir zu Sodom geworden? Gleichen wir heute Gomorrha? In welchen Häusern sind diese Jugendlichen aufgewachsen? Welche Werte wurden ihnen beigebracht? Wer sind ihre Vorbilder?  

Es treibt mich sehr um, wenn ich von den Gruppenverwaltigungen höre, die Teenager, nicht selten noch Kinder, in Ramat Hasharon oder anderen Orten, auch in Kibbuzim und Moschawim, begehen. Was geht dort in der Welt der Erwachsenen vor sich, dass die Kinder derart krass reagieren? Ganz verzweifelt werde ich schliesslich, wenn ich die erschreckenden Statistiken über den Drogenhandel und -konsum lese. Wovor und vor wem fliehen diese Jugendlichen in die Welt des Rausches? Dort aber, in Rishon Lezion und Ramat Aviv Gimmel, fragen die Medien nicht nach den Wertsystemen, die diesen Kindern von den Eltern und der Umgebung eingeimpft werden, oder nach der Bildung und der Freizeitbeschäftigung, welche das Verhalten dieser Jugendlichen beeinflussen. Und wenn wir von Drogenhandel und -konsum sprechen, dann sprechen wir von Tausenden von Kriminellen.

So ist es nun einmal: In Judäa und Samaria ist die Schuld auch dann eine kollektive, wenn es sich nur um ein paar Dutzend Jugendliche handelt. Auch hinsichtlich der Motive besteht natürlich kein Zweifel: Rassismus, Religion und Nationalismus. In Beersheva und Evron dagegen, in Ramat Hasharon und Kfar Saba sind solche Akte nicht mehr als «jugendliche Kriminalität». Es gibt keine Adresse, ausser vielleicht für die Polizei, der stets vorgeworfen wird, nicht genug zu unternehmen. Dabei sollte sie den Finger auf den wunden Punkt legen und fragen, wer diese wunderbaren Exemplare denn produziert hat. Die Eltern? Die Umgebung? Die Pädagogen? Die Medien?

Ich sprach mit zwei bekannten und besorgten Figuren des öffentlichen Lebens, die herausfinden wollten, was sich während der Olivenernte wirklich zuträgt. Nach einer gründlichen Untersuchung, die auch Gespräche mit der Polizei und dem Militär einschloss, gelangten die beiden Persönlichkeiten zum Schluss, die Opposition gegen die Olivenernte habe vor allem mit Sicherheitsängsten zu tun. Die Olivenpflücker, so fanden sie heraus, würden bis in die Siedlungen hinein gelangen, in Elon Moreh seien sie nur rund 50 Meter vom Schulgebäude entfernt. Sogar die Armee glaubt, dass sich hier ein Risiko von Terrorangriffen oder Informationssammlung verberge – Tätigkeiten, die unter dem Deckmantel der Olivenernte begangen würden.

Die israelischen Sicherheitsorgane haben daher in Beratung mit
lokalen Juden und Palästinensern begonnen, Zeiten zu koordinieren, zu welchen die Armee die Sicherheit beider Seiten gewährleisten würde. Doch dann trafen, wie sie sagten, die Agitatoren ein: israelische und ausländische «Friedensaktivisten», welche die Araber anstacheln, die vereinbarten Zeiten nicht zu akzeptieren. Wenn sich
die Palästinenser und ihre Helfershelfer der Grenze der Siedlungen ohne den Schutz der Armee nähern, kommt es zu Zusammenstössen, welche von den Medien dann benutzt werden, um die Siedler anzuklagen.

Wenn die Wahrheit so radikal verzerrt wird und wenn alle Probleme des Staates und der Menschen den Siedlern zur Last gelegt werden, dann kann es nur eine Schlussfolgerung geben: Abgesehen von politischen Motiven ist der tiefere Grund für diese zerstörerische Kritik Hass – reiner, grundloser Hass. Dieselbe kollektive Hysterie war ja auch nach dem Sprengstoffanschlag gegen Zeev Sternhell ausgebrochen. Nach der Olivenernte, wenn in zwei Wochen die Zeremonien zur Erinnerung an die Ermordung Itzhak Rabins anstehen, werden die haltlosen Attacken gegen die Siedler ihr Crescendo erreichen.    

Israel Harel ist eine prominente Persönlichkeit in der israelischen Siedlerbewegung.