Haider traditionell
Haiders Wortspiel zielt auf eine bekannte Waschmittelmarke ab, die mit Muzicants Vorname identisch ist. Haider folgt damit seiner zuletzt verstärkten antisemitischen Wortwahl: schon im Januar hatte er - ebenfalls im Zusammenhang mit der Restitutionseinigung - von der «Ostküste» gesprochen, seit der Waldheim-Zeit in Österreich antisemitischer Code für amerikanische Juden. Muzicant antwortete Haider vergangenen Donnerstag mittels einer an die Presse gerichteten und mit «Ariel Israel Muzicant» unterfertigten Aussendung: «Es ist Zeit, dass in Österreich auch ein Landeshauptmann einen korrekten Umgangston lernt», und spielte damit an die Zeit zwischen 1939 und 1945 an, als alle männlichen Juden den zusätzlichen Vornamen «Israel» tragen mussten.
In der Zwischenzeit meldete sich FP-Generalsekretär und Abgeordneter zum Europäischen Parlament Peter Sichrovsky, selbst auch IKG-Mitglied, über den Pressedienst seiner und Haiders Partei. «Kein Jude», so Sichrovsky in einem offenen Brief an Muzicant, habe das Recht, «das tragische Schicksal der Juden als Verteidigung gegen alle Angriffe auf seine Person zu benutzen.» «Der Chor des Mitleids», der hinter Muzicant einstimmte, sollte diesen «eher beunruhigen als trösten», so Sichrovsky in der Manier eines FPÖ-Demagogen. Sichrovsky selbst unterschrieb seinen offenen Brief als «Generalsekretär und laut Herrn Dr. Muzicant der Hofjude der FPÖ». Aus der österreichischen Politik liegt vor allem die deutliche Stellungnahme von Wiens Bürgermeister Michael Häupl vor, der Haiders Aussage als «puren und blanken Antisemitismus» bezeichnete. Die Katholische Aktion, eine Laienorganisation, bezeichnete die Attacken Haiders als «Verunglimpfung aus der untersten Schublade».
Haider beleidigte bei dieser seiner letzten öffentlichen Rede aber nicht nur Muzicant, sondern bediente sich alter Feindbilder wie «Ausländer», «die Linke» und «die Sozialisten». Sozialdemokraten und Grüne beschimpfte er als «schwer vermittelbar», «Flegel» oder «Schlaftablette der Nation». Die bereits im Vorjahr beendeten EU-Sanktionen kritisierte er heftigst, wobei er den deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder als «Koffer in Berlin», Joschka Fischer als «ein Terrorist», «linker Wicht» und «grünes Weichei» bezeichnete, während Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac Haiders Ansicht nach wie eine «Kurtisane über Moral und Anstand» rede und wegen Korruption ohnedies schon «bald hinter schwedischen Gardinen» sitzen würde.