Grundpfeiler der Demokratie
Meinungsbildend. Die Qualität der Demokratie eines Landes hängt auch von der Qualität der öffentlichen Kommunikation ab – so wird es im aktuell erschienenen Schweizer Jahrbuch «Qualität der Medien» des Forschungsbereichs Öffentlichkeit und Gesellschaft beschrieben. Medien gehören zu den grundlegenden Institutionen der modernen Gesellschaft, die Meinungs-und Pressefreiheit zählt zu den wichtigen Errungenschaften der Demokratie und der Aufklärung. Und gerade in der aufgeklärten Tradition stehen Medien und die unabhängige, differenzierte Berichterstattung. Medien können einen Beitrag zur gesellschaftlichen Integration leisten – wenn sie ausgewogen und objektiv berichten. Ist dies nicht der Fall, können im Gegenteil Fremdenfeindlichkeit, Angst geschürt und Stereotype gefestigt werden, wie im Vorfeld zur Minarett-Initiative im vergangenen Herbst deutlich wurde, und auch die jüdische Gemeinschaft etwa während der Holocaust- oder Schächt-Debatte in der Schweiz immer wieder erkennen musste. Die Medien haben hinsichtlich ihrer Berichterstattung über Minderheiten eine verantwortungsvolle Rolle inne, da sich vor allem Menschen, die wenig direkten Kontakt zu Minderheiten oder Zugewanderten haben, bei ihrer Meinungsbildung auf mediale Inhalte stützen.
Stigmatisierend. Anhaltende negative Informationen über Minderheiten können zu Stigmatisierungen führen und dazu beitragen, Vorurteile zu bilden und zu festigen. Positive Meldungen über erfolgreiche zugewanderte Fussballspieler oder über den beruflichen Aufstieg einer jungen Migrantin könnten im Gegenzug die positiven Aspekte von Migration aufzeigen – Berichterstattungen dieser Form finden aber vergleichsweise selten statt. Innerhalb der Schweizer Medienlandschaft wird eher problematisierend über Minderheiten berichtet. Da besonders Muslime unter negativen Typisierungen zu leiden haben, wie auch das Jahrbuch aufzeigt, hat die Eidgenössische Ausländerkommission bereits vor einigen Jahren Empfehlungen für die Berichterstattung über Minderheiten in den Medien erarbeitet. So soll unter anderem auf stereotype Zuschreibungen verzichtet und somit Vorurteile abgebaut werden. Auch der Schweizer Presserat hält in den Richtlinien zur «Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten» fest, dass bei Berichten über Straftaten Angaben über ethnische Zugehörigkeit und Religion nur gemacht werden dürfen, «sofern sie für das Verständnis notwendig sind». Menschen denken in Stereotypen und in Klischees, diskriminierende Äusserungen finden sich teils bereits im alltäglichen Sprachgebrauch – ohne, dass es den betreffenden Personen immer bewusst ist. Hier bietet das Glossar der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (www.gra.ch) Abhilfe, da es anhand der Erklärung einzelner Wörter und deren ursprünglicher Bedeutung mögliche Diskriminierungen aufzeigt und zu vermeiden sucht.
Vertrauensbildend. Medienkonsumenten müssen sich auf qualitative Information, Hintergrund und Analysen verlassen können – damit sie sich als Bürger an der Gesellschaft beteiligen können. Inhalte dürfen nicht kommerziellen Mechanismen, sondern nur der Wahrheit Genüge leisten. Konsumenten haben oftmals gar nicht die Möglichkeit, die Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Medien zu prüfen, sie vertrauen den Informationen, die sie erhalten. Medien sind daher auch Vertrauensgüter. Der eigentliche Sinn, Zweck und Wert journalistischer Arbeit liegt in der Einordnung der Dinge, die die Menschen beschäftigen. Die Demokratie, so wird im Jahrbuch betont, kommt ohne Medien mit hohem Qualitätsstandard nicht aus. Es gilt daher, in guten Journalismus zu investieren, sich von der Gratiskultur und von einer unreflektierten Berichterstattung – auch in Bezug auf Minderheiten – zu verabschieden. Nicht nur der Qualität der Medien zuliebe, sondern vor allem, um eine freie Meinungsäusserung und somit ein Privileg und eine Grundvoraussetzung der demokratischen Schweiz zu wahren.