Grenzgänger zwischen Design und Kunst
Heute lebt der 1963 in Israel geborene Arik Levy in Paris, wo er zusammen mit seinem Kollegen Pippo Lionni vor elf Jahren die Firma LDesign gegründet hat. In Tel Aviv aufgewachsen, absolvierte Levy seinen Militärdienst, bevor er ein Windsurfing-Geschäft in seiner Heimatstadt eröffnete. Er entwarf Surfbretter und Schwimmkleidung – und verfolgte parallel zu diesem Standbein seine Karriere als Grafiker. Diese zog ihn schliesslich in die Schweiz nach Genf, wo er am Art Center Europe Industriedesign studierte. Mit seinem erfolgreichen Abschluss im Jahr 1991 begann Levys berufliche Laufbahn als Designer. Von 1992 bis 1994 unterrichtete er an der Ecole nationale supérieur de création industrielle in Paris und in Designworkshops in unterschiedlichen Designschulen in Europa. Gleichzeitig beteiligte er sich an zahlreichen Kunstausstellungen und entwarf Bühnenbilder für modernen Tanz für das Grand Théâtre in Genf, das niederländische Tanz-Theater, das finnische Nationale Balletthaus und das Batsheva Dance Center in Israel.
Preise und namhafte Kunden
Anfang der neunziger Jahre gewann Arik Levy zudem einen Wettbewerb der Seiko-Epson-Gesellschaft in Japan. Es folgten Aufträge für Seiko Epson und die Teilnahme an diversen Designausstellungen in Japan. Zurück in Europa, zog es Levy nach Paris, wo er 1997 sein eigenes Designbüro LDesign gründete. Die Firma arbeitet in den Bereichen Produkt- und Corporate Design, Shop- und Ausstellungsgestaltung, und gemeinsam mit seinem Partner Lionni realisiert Levy heute Projekte für Kunden wie Adidas, Ligne Roset, Vitra, Baccarat, Zanotta, Cartier, Magis oder L'Oreal. Gemeinsam entwickeln die beiden Designer zahlreiche Produkte in allen Desingbereichen. Levy gelingt es aufgrund seiner Kenntnisse verschiedener Materialien, Technologien und Produktionsverfahren, an unterschiedlichen Projekten und in verschiedenen Fachbereichen zu arbeiten, und zwar sowohl auf europäischer als auch auf interkontinentaler Ebene.
Arik Levy, der von sich selbst sagt, er wäre gerne auch Wissenschaftler geworden, wird in seiner Branche oftmals auch als Architekt oder Poet bezeichnet. Tatsächlich vereinen viele seiner Produkte Kreativität, Technologie und Wissenschaft. Seine klaren Konzepte und Experimente führen zu Innovationen in seiner Branche – sowohl seine Designobjekte als auch seine künstlerischen Arbeiten basieren auf experimentellen Annäherungsweisen. Es geht Levy nach eigener Aussage vor allem um eine ehrliche Formgebung und eine konstruktive Übersetzung von Ideen in das von ihm gewählte Material.
Emotionales Design
Auf die Frage, welche Architektur ihn am meisten beeindrucke, antwortete Arik Levy einst: «das Vogelnest». Hätte er die Möglichkeit, für eine bestimmte Zeit mit einem anderen Lebewesen zu tauschen, so würde der Designer am liebsten in die Haut eines Vogels schlüpfen. Ähnlich genial aufgebaut ist zum Beispiel auch seine Schale «Black Honey», die er für Materialize MGX entwarf. Auch die Lampe «Phantom» erinnert in der Konstruktion an ein Nest. Seine Kaffeetische gleichen vergrösserten Diamanten und seine Kerzenständer erinnern an Miniatur-Wolkenkratzer. Levy, der seinen perfektionistisch gestalteten Produkten immer auch einen emotionalen Bezug geben möchte, sagt: «Man sollte mit dem Herzen denken und mit dem Verstand fühlen.»
Er möchte seinen kreierten Gegenständen auch unabhängig von ihrer Funktionalität einen Sinn geben. So sollen die Menschen seine Kerzenständer oder Vasen nicht kaufen, weil sie einen Kerzenständer oder eben eine Vase benötigen. Denn was macht eine Vase ohne eine Blume darin für einen Sinn? Oder ein Kerzenständer ohne eine Kerze? Arik Levy will keine reinen Gebrauchsgegenstände schaffen, sondern Objekte, die für sich stehen und auch alleine ihre Existenzberechtigung haben. Auch deshalb wurde er in diesem Jahr von der Zeitschrift «Elle Decoration» zum Designer des Jahres gekürt. In der Auszeichnung wird auf Levys Gabe verwiesen, mit seinen Entwürfen immer auch eine «Philosophie» zu vermitteln. Ferner verkörpere Levy alles, was einen wirklich guten Designer ausmache: Fantasie, Neugierde, Mut, Gelassenheit, Humor und Souveränität. Als Grenzgänger zwischen Design und Kunst experimentiert er mit Materialien, die er in Designobjekte verwandelt – poetisch und funktional zugleich. Der Linkshänder, dem an der linken Hand ein Finger fehlt, ist stets auf der Suche nach Perfektion, und es scheint, als werde er stets von seinem Instinkt und seiner Leidenschaft gelenkt. Auf die Frage, was gutes Design ausmache, weiss er keine selbstverständlichere Antwort zu geben als: «Man sieht es und man weiss es.»
Die Zukunft des Designs
Levy setzt nicht auf das fertige Produkt, es geht ihm in seiner Arbeit vor allem um den Prozess vom reinen Material zum vollendeten Gegenstand. Seine Arbeiten stehen neben ihrer Perfektion auch für Nachhaltigkeit, und seine Firma LDesign erstellt Studien zur Zukunft des Designs. Seine Konzepte, seine Designstücke und seine künstlerischen Arbeiten sind immer wieder auf Veranstaltungen und Messen, an Ausstellungen, in Museen und Galerien auf der ganzen Welt zu sehen, einige seiner Werke sind in den weltweit namhaftesten Museen ausgestellt. Man darf gespannt auf weitere Arbeiten und Kreationen von Arik Levy sein, der sagt, sein Traumobjekt seien «all die Projekte, die ich noch nicht gemacht habe». T
Weitere Informationen unter www.ldesign.fr oder unter www.ariklevy.fr.