«Grand Old Lady» von Südafrika gestorben
Mit Respekt und Bewunderung wird die prominente Politikerin Helen Suzman gewürdigt. Zweimal wurde sie wegen ihres beherzten Kampfes gegen die Apartheid in Südafrika für den Friedensnobelpreis nominiert. Sie engagierte sich jahrzehntelang gegen die Politik der Rassentrennung und für die Rechte der schwarzen Bevölkerung und war eine Weggefährtin von Nelson Mandela. Nach ihrem Rücktritt aus dem Parlament wurde sie zur «Grand Old Lady» von Südafrika und kämpfte bis zuletzt mit ihrer Stiftung für die Menschenrechte.
Politisch sehr engagiert
Die bekannteste südafrikanische Politikerin wurde 1917 als Helen Gavronsky in der Goldminen-Stadt Germiston bei Johannesburg geboren. Ihr Vater war aus Litauen eingewandert und gelangte als erfolgreicher Fleischgrosshändler zu Wohlstand. Die Familie lebte wie viele andere weisse Familien in einem grossen Haus mit viel Personal. Helen besuchte eine weisse katholische Schule und studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Witwatersrand. Helen Gavronsky war noch nicht 20 Jahre alt, als sie den Arzt Moses Suzman heiratete. Das Paar bekam die Tochter Frances. Nach dem Universitätsabschluss arbeitete die junge Ökonomin während des Zweiten Weltkriegs für die südafrikanische Kriegsversorgung und bis 1952 als Dozentin für Ökonomie an ihrer Universität.
Helen Suzman wurde in eine Kommission berufen, welche die Lebensbedingungen der schwarzen Bevölkerung in den Grossstädten untersuchte. Diese Recherchen politisierten sie. 1953 wurde sie Abgeordnete ihres wohlhabenden weissen Stadtteils im Parlament, dem sie 36 Jahre lang angehören sollte. Die schärfsten Auseinandersetzungen focht sie mit Präsident Pieter Botha aus, von dem sie mit ihrem sarkastischen Humor sagte, wäre er eine Frau, würde er auf einem Besen ins Parlament reiten.
An der Seite von Nelson Mandela
1964 wurde Nelson Mandela zu lebenslanger Haft auf Robben Island verurteilt. 1967 schaffte es die zierliche Politikerin, ihn erstmals dort zu besuchen und zu erreichen, dass er und seine Mitstreiter Bücher bekamen. Sie gehörte zur Wahlkommission, die 1994 für die ersten allgemeinen Wahlen verantwortlich war. Als Mandela 1996 als erster schwarzer Präsident die neue Verfassung unterzeichnete, war Helen Suzman an seiner Seite. Ein Jahr später verlieh er ihr die Verdienstmedaille in Gold. Über seine Stiftung liess Mandela seine verstorbene Weggefährtin als grosse Patriotin und furchtlose Kämpferin würdigen.
Als Parlamentarierin verschaffte sich Helen Suzman Zutritt zu den schwarzen Homelands und Townships. Im Parlament beschrieb sie im Detail, was sie dort und auf Robben Island gesehen hatte, damit die liberalen Medien darüber berichten konnten, denn Verhandlungen im Parlament unterlagen nicht der Zensur. Auch antisemitische Angriffe konnten sie nicht bremsen. Sie scheute sich bis zuletzt nicht, Präsident Thabo Mbeki wegen seiner Ansichten über Aids und vor allem seiner Toleranz gegenüber Simbabwe zu kritisieren. Helen Suzman, die Ehrendoktorate von zwei Dutzend Universitäten, darunter Harvard und Brandeis, besass, bezeichnete es als ihre grösste Auszeichnung, dass Simbabwes Diktator Robert Mugabe sie 2001 zur «Staatsfeindin» erklärte.