Gesellschaftliche Bewusstseinsarbeit

October 9, 2008

«Gibt es denn in der Schweiz tatsächlich auch Holocaust-Überlebende?» Mit dieser Frage wird das Tamach-Team immer wieder konfrontiert. Deshalb ist den beiden Fachfrauen die Öffentlichkeitsarbeit ein wichtiges Anliegen. Seit Mitte der neunziger Jahre erhält die Beratungsstelle erfreulicherweise vermehrt Anfragen von Schulen, die umfassender über den Holocaust und die Rolle der Schweiz informieren möchten. «Dabei geht es uns weniger ums Vermitteln von Sachwissen», erklärt Revital Ludewig, «sondern um die emotionale Auseinandersetzung mit der Schoah». Wenn etwa der heute 82-jährige Leon Reich vor einer Klasse erzählt, wie seine glückliche Kindheit in Polen mit dem Einmarsch der Nazis abrupt endete und er gerade noch 29 Kilo wog, als amerikanische Soldaten das Konzentrationslager Buchenwald befreiten, dann bekommen Zahlen und Fakten plötzlich ein menschliches Gesicht, und der Holocaust wird Teil der eigenen Geschichte. Für die Betroffenen sind solche Auftritte meist sehr belastend. Wenn sie sie dennoch auf sich nehmen, dann deshalb, weil sie für jene sechs Millionen Menschen sprechen möchten, die heute nicht mehr sprechen können. Tamach sammelt deshalb auch systematisch die Berichte von Überlebenden, die Zeugnis ablegen und ihre Erlebnisse für die Zukunft dokumentiert wissen wollen.

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