Georg Kreisler ist tot

November 23, 2011
Der österreichische Kabarettist Georg Kreisler ist im Alter von 89 Jahren verstorben.

Der österreichische Kabarettist Georg Kreisler ist tot. Der Chansonnier, Texter und Satiriker starb am Dienstag im Alter von 89 Jahren in einem Krankenhaus in Salzburg an einer schweren Infektion.
«Ich empfinde kein Land als Heimat», hat er einmal in einem Interview gesagt. Wenn überhaupt, dann war die Bühne die Heimat von Georg Kreisler, der Ort, an dem er wie kaum ein anderer Kabarettist und Liedermacher des deutschsprachigen Raums von seinem Publikum geliebt und verehrt wurde - und das, obwohl er das Rampenlicht eigentlich scheute. Kreisler galt als Meister des schwarzen Humors. Zu seinen bekanntesten Stücken gehören die Songs «Geh'n ma Tauberl vergiften im Park» und «Wie schön wäre Wien ohne Wiener». In Deutschland schuf sich der vielseitige Komponist und Chansonnier mit dem Hang zum Makabren in den siebziger Jahren im Berliner Theater «Die Wühlmäuse» ein treues Publikum.
Seine Fans begeisterte der Künstler mit der dicken Hornbrille und der markanten Stimme mit Spontanität, scharfer Beobachtung und bissigem Witz. Noch vor wenigen Monaten war Kreisler mit seiner Frau auf Lesereise gewesen - unter anderem in Bonn, Stuttgart, Weimar und Heidelberg. Im Jahre 1992 zog Kreisler mit seiner vierten Frau nach Basel um, wo er sich unter anderem gegen den EU-Beitritt der Schweiz engagierte. Seit 2010 lebte er in Salzburg. Kreisler wurde am 18. Juli 1922 in Wien geboren. In der Hitler-Zeit musste er als Jude nach dem «Anschluss» Österreichs an Deutschland aus seiner Heimat fliehen und ging in die USA. Von dort kehrte er 1955 nach Wien zurück und startete in der legendären «Marietta-Bar» seine Karriere als Musiker und Kabarettist.
Er verfasste Gedichte und Lieder, schrieb Hörspiele, Kabarettstücke, Theatertexte und Musicals wie die Komödie «Heut Abend: Lola Blau». Die Berliner Akademie der Künste übernahm 2007 sein Archiv. Im vergangenen Jahr erhielt er den Friedrich Hölderlin-Preis für sein Lebenswerk. Mit Kreisler verliert die Welt den letzten Vertreter der Wiener jüdischen Theater- und Literaturszene, die über Jahrzehnte führend war in Literatur, Theater oder Kabarett. [SDA/TA]