Gegen jüdische Friedhöfe

December 3, 2009
CVP-Präsident und Nationalrat Christophe Darbellay will zwar freundlicherweise nichts gegen bestehende jüdische Friedhöfe unternehmen, zum Beispiel in Zürich, «da soll man keine grosse Geschichte machen», aber für die Zukunft schliesst er Ausnahmen und separate Friedhöfe für nicht christliche Religionen aus.
CVP-Präsident und Nationalrat Christophe Darbellay

Die Schweizer wüssten nicht mehr, woran sie glauben sollten, deshalb hätten sie «so Angst vor den Muslimen». Es gebe so viele Sekten und «spirituale» Bewegungen, und es könne nicht für alle eine Sonderregelung geben. Diese Aussagen machte Darbellay am Dienstag in der Talk-Sendung «Duell aktuell» des TV-Senders Tele M1 in Aarau, wo er von Talkmaster und Theologe Werner de Schepper (früher «Blick»-Chefredaktor) kompetent befragt wurde, gemeinsam mit dem Solothurner SVP-Nationalrat Walter Wobmann, einem lautstarken Befürworter der Initiative (Wobmann war Gemeinderat in Gretzenbach, wo ein riesiger Buddha-Tempel steht, viel höher als jedes Minarett in der Schweiz). Bei einem Verbot der Burka und von Kopftüchern bei Frauen in öffentlichen Funktionen, mit Ausnahme der Nonnen, und beim Thema Friedhöfe war Darbellay einer Meinung mit Wobmann, der auch «ganz klar» weder muslimische noch jüdische Friedhöfe will, «denn spätestens im Tod sollten alle gleich sein». In einem Mail an tachles und andere Medien («Tages-Anzeiger», «Blick»), welche diese Aussagen aus dem Talk thematisierten und bei Darbellay anfragten, versuchte der CVP-Präsident, seine Worte zu relativieren: Er habe nie ein Verbot von jüdischen Friedhöfen gefordert. Doch das im Internet einsehbare Video im Archiv von Tele M1 widerlegt dies. Laut «Blick» gibt CVP-Fraktionschef Urs Schwaller «offen Gegensteuer»: «Aufgeregtes Fordern von immer neuen Verboten bringt uns keinen Schritt weiter.» In der Mittwochausgabe der «Aargauer Zeitung», die zum gleichen Konzern gehört wie Tele M1, sagte der frühere Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds Alfred Donath, er empfinde Darbellays Ausführungen als Beleidigung. [gb]