Gefälschte Protokolle
Hochkarätige israelische Filmemacher machen sich daran, einen Spielfilm über die «Protokolle der Weisen von Zion» zu drehen. Ihre Recherchen starteten sie in Bern, wo die antisemitische Schrift 1935 als Fälschung entlarvt wurde.
Volle drei Stunden liess sich Odette Brunschvig von Filmregisseur Avi Nesher und Produzent Ehud Bleiberg zu Details ihrer Beziehung zu ihrem 1973 verstorbenen Ehemann Georges Brunschvig und insbesondere zum Prozess von 1934/35 befragen, bei dem dieser als blutjunger Anwalt das aufkommende Naziregime herausforderte. Der Berner Prozess um die gefälschten «Protokolle der Weisen von Zion» soll eine wesentliche Rolle im Spielfilm spielen, den die beiden Israeli über das antisemitische Machwerk vorbereiten, welches bis heute in islamistischen und rechtsextremen Kreisen verbreitet wird.
Letzte Zeitzeugin
Die 94-jährige Odette Brunschvig (vgl. tachles 22/2011) sei die einzige noch lebende Zeitzeugin, begründet Avi Nesher seinen Entscheid, mit den Recherchen für den Film in Bern zu beginnen. Die Auswertung ihrer Aussagen werde die weitere Planung massgeblich bestimmen. Besonders interessierten sich die Filmer dafür, weshalb der gerade mal 25-jährige Brunschvig und nicht sein erfahrenerer Kollege und Universitätsprofessor Hans Matti die federführende Rolle im Prozess spielte. Sie wollten aber auch Nebensächlichkeiten wissen – etwa wo Georges Brunschvig während des Prozesses sein Mittagessen einnahm. Der Grund ist klar: Der Film soll dereinst – mit Schauspielern, die in den USA gecastet werden – ein möglichst realitätsnahes Bild jener Zeit vermitteln. Nesher und Bleiberg liessen sich denn auch von Brunschvig-Biografin Hannah Einhaus ins «Casino» führen, wo die «Protokolle» von einheimischen Frontisten 1933 verteilt wurden, ebenso wie in den Assisensaal des Amthauses, wo der Prozess stattfand.
Zweiter Versuch
Wann der Film in die Kinos kommt, steht noch nicht fest. Der in Israel sehr bekannte Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler Avi Nesher und der vorwiegend in Los Angeles als Filmproduzent und Besitzer einer Firma der Unterhaltungsindustrie tätige Ehud Bleiberg gaben aber klar zu verstehen, dass sie dieses Projekt rasch vorantreiben wollen.
Sie stützen sich dabei auf die Unterstützung von Hadassa Ben-Itto, Autorin des Buches «Anatomie einer Fälschung». Die pensionierte Richterin, die einst Israel als Botschafterin bei der Uno und der UNESCO vertrat, hatte bereits vor acht Jahren ein Filmteam beraten, das sich desselben Themas annahm. Auch damals gab Odette Brunschvig geduldig Auskunft, auch damals wurden die Schauplätze des Prozesses besucht. Der geplante abendfüllende Dokumentarfilm wurde aber nie fertig, da der Filmemacher Nitzan Aviram auf tragische Weise ums Leben kam.