Gedenktafel an der Schweizer Grenze

Von Gérard Wirtz , April 29, 2011
Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm weihte gemeinsam mit Wolfgang Fuhl, dem Vorsitzenden des Oberrats und Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde Lörrach, eine Gedenkstelle zur Erinnerung an die
aus Lörrach 1940 deportierten Juden ein.
DAS MAHNMAL Erinnerung an die Juden, die im Jahr 1940 aus Lörrach deportiert wurden

Auf dem neuen, frisch eingeweihten Lörracher Mahnmal stehen ein Text über die Deportation in Deutsch, Englisch und Französisch, die Namen der 52 jüdischen Opfer, die bekannt sind, sowie ein hebräischer Satz aus dem Klagelied.
Die neu eingeweihte Gedenktafel befindet sich in der Teichstrasse/Ecke Spitalstrasse am Eingang in die Fussgängerzone, in unmittelbarer Nähe zur früheren Synagoge. Um das Gedenken an die am 22. Oktober 1940 aus Lörrach deportierten jüdischen Einwohner wach zu halten, hatte die Stadt Lörrach 2010 ein umfangreiches Kulturprogramm veranstaltet, dessen Abschluss jetzt die Aufstellung des Mahnmals ist. Die Idee kam aus dem Gemeinderat, der dafür auch einstimmig ausserplanmässige Mittel in Höhe von 10 000 Euro bewilligte.
«Mit dieser Gedenkstelle wollen wir den jüdischen Opfern aus Lörrach ihre Identität zurückgeben und gleichzeitig zeigen, dass sie nicht vergessen sind», erläuterte Heute-Bluhm an der Einweihungsfeier. Anschliessend verlas die Oberbürgermeisterin die Namen der 52 Deportierten aus Lörrach.

Nahe der Synagoge

Die Tafel steht in unmittelbarer Nähe der ehemaligen koscheren Metzgerei, der ehemaligen Synagoge und der ehemaligen jüdischen Schule. Aber auch die neue 2008 eingeweihte Synagoge ist ganz in der Nähe. Dort hat die jüdische Gemeinde, die seit der Neugründung 1995 auf rund 450 Mitglieder angewachsen ist, wieder ein lebendiges religiöses und kulturelles Leben entwickelt.
Die Gedenk-stelle besteht aus verzinktem Alublech mit einem Oberflächenschutz gegen Verschmutzung und Schmiererei. Rabbiner Moshe Flomenmann von der Israelitischen Kultusgemeinde Lörrach verlas bei der Einweihung der Gedenkstele den Kaddisch, das jüdische Totengebet. Für einen würdevollen musikalischen Rahmen sorgte schliesslich ein Trompetenduo der Städtischen Musikschule Lörrach.

Eine Rarität

Beklemmende und bestürzende Szenen vom Abtransport der letzten registrierten Juden aus Lörrach hatten seit vergangenem Oktober die Lörracher Bevölkerung sowie zahlreiche auswärtige Besucher auf das schreckliche Ereignis durch eine Ausstellung von Originalfotos aufmerksam gemacht.
Am 22. Oktober 1940 wurden in ganz Baden aus nicht weniger als 138 Dörfern und Städten mehr als 5600 jüdische Menschen deportiert.
Zum 70. Jahrestag der Deportationen sollte die Ausstellung im örtlichen Museum am Burghof unter anderem Licht in die Frage bringen, wer diese Aufnahmen gemacht hat, und wer die abgebildeten Opfer sind. Die gut erhaltenen, erschütternden Fotografien sind im ganzen badischen Landstrich eine absolute Rarität. Bis anhin galt als einzig glaubwürdiges Zeugnis mehr oder weniger die schriftliche Überlieferung.