Gedenken an Arthur Bloch
Arthur Bloch, Viehhändler, Opfer eines antisemitischen Mordes, soll in Payerne mindestens eine Gedenktafel erhalten, allenfalls solle in der Stadt ein Platz oder eine Strasse auf seinen Namen umbenannt werden. Diesen Vorschlag machte vor einigen Wochen der Schriftsteller Jacques Chessex, der Anfang Jahr einen Roman über den Judenmord von 1942 veröffentlichte hatte. Der Vorschlag ist in der Waadtländer Kleinstadt umstritten, da die meisten lokalen Politiker, insbesondere auch der parteilose Stadtpräsident Michel Rollin, die öffentliche Erinnerung an dieses Verbrechen vermeiden möchten. Doch der grosse Erfolg von Chessex’ Roman und mehrere ungeschickte Äusserungen Rollins setzten die Payerner Stadtregierung unter Druck. Nun will auch Rollin öffentlich der Ermordung gedenken, allerdings nur durch eine Resolution. Sie soll Anfang Mai bei der nächsten Sitzung des Gemeindeparlaments
verabschiedet werden. Sie hätte bereits vergangene Woche beschlossen werden sollen, doch ein erster Entwurf hat nicht allen Beteiligten gefallen. Eine ausserparlamentarische Kommission, bestehend aus Gemeinderäten und externen Fachleuten, muss in den kommenden Wochen einen neuen, genehmen Vorschlag erarbeiten.
Heftige Reaktionen erntet immer noch ein infames Sujet des Payerner Fasnachtsumzuges. Arthur Bloch war bekanntlich im Frühling 1942 von fünf lokalen Nazis ermordet worden, die zerstückelte Leiche wurde in drei Milchkannen in den Neuenburgersee geworfen. Fasnächtler führten Anfang März am Fasnachtsumzug eine Milchkanne mit, auf der «Hier ruht Chessex» geschrieben stand. Wobei die beiden «ss» als Doppel-Sigrune – besser bekannt als Zeichen der deutschen SS – hervorgehoben wurden. Chessex hat vergangene Woche an einer Veranstaltung in Lausanne verlangt, dass gegen die Verantwortlichen juristische und strafrechtliche Massnahmen eingeleitet würden. Auch hier steht die Stadtregierung unter Druck: In einem Kommentar forderte der Chefredaktor der Tageszeitung «24 heures», dass die Stadtbehörden diese «schwachsinnige Tat» verurteilen sollen.