Gasdeal für Israel?

May 16, 2008
Zeitungsberichten zufolge will die Israel Corporation den Anteil des Energiegiganten BG an einem Naturgasfeld vor der Küste des Gazastreifens erwerben. Beide Seiten dementieren die Nachricht, doch unbestritten ist, dass Israel schon in wenigen Jahren an einem grossen Mangel an Gas leiden wird.
<strong>Gasreservoir nahe Tel Aviv</strong> In wenigen Jahren k&ouml;nnte es in Israel zu wenig Naturgas geben

Von Avi Bar-El

Die von Sami Ofer und seinem Sohn Idan kontrollierte Israel Corporation verhandelt mit dem Energiegiganten BG (ehemals British Gas) über den Kauf von dessen Holding am Naturgasfeld Gaza Marine vor der Küste des Gazastreifens. Zusätzlich haben die Besitzer der Israel Corporation damit begonnen, sich bei staatlichen Stellen über die Gültigkeit der Franchise von BG für das Feld zu erkundigen. Der Energiekonzern hat diese von der Palästinensischen Autonomiebehörde erhalten.

Der israelische Konzern untersucht auch die Frage, wie der Staat sich bezüglich der allfälligen Kaufpläne von Gaza Marine verhalten würde.Israel muss bis in fünf Jahren mit einem Mangel an Naturgas rechnen. Diese Geschäftschance hat viele neue Kreise und Gesichter veranlasst, sich mit der Möglichkeit eines Engagements im lokalen Markt zu befassen. Eines dieser Gesichter ist eben die Israel Corporation, die grösste Privatkundin für Naturgas.

Die Gesetze, welche den Markt für Naturgas in Israel regeln, schränken die Möglichkeiten der Gesellschaft ein, eine Quelle für Naturgas zu kontrollieren, da sie bereits die Ölraffinerien kontrolliert. Sollten die Ofers trotz allem beschliessen, den Anteil von BG an dem Ölfeld zu kaufen, könnte sich der Deal für sie mehr als lohnen, zieht man den Gasbedarf der -Israel Corporation und ihrer Tochtergesellschaften – Israel Chemicals und der Raffinerien – in Betracht.

Verzicht auf Ansprüche

BG hat in den neunziger Jahren das Recht erhalten, vor Israels Küste nach Öl und Gas zu suchen. Im Jahr 2000 entdeckte die Firma ein potenzielles Gasfeld vor dem Gazastreifen, das schätzungsweise ein Volumen von rund 30 Milliarden Kubikmetern Gas aufweisen soll. Der damalige Premierminister Ehud Barak verzichtete seinerzeit in einem kontroversen Schritt auf die Ansprüche an dem Feld und gestattete der Palästinensischen Autonomiebehörde, via einen internationalen Investitionsfonds zehn Prozent der Rechte zu besitzen. Die Palästinenser dürften aus dem Feld eine Rendite von rund 12,5 Prozent oder rund vier Milliarden Dollar einkassieren. Sie vergaben die Franchise zur Ausbeutung des Feldes und 90 Prozent der Aktien an BG. Sobald das Feld seinen Betrieb aufnimmt, wird der Energiekonzern 30 Prozent an die libanesische Infrastrukturgesellschaft CCC abtreten müssen, die sich im Besitz der libanesischen christlichen Familie Khoury befindet. CCC besitzt auch das Kraftwerk von Gaza.

Nach einem Jahrzehnt fruchtloser Gespräche zwischen BG und israelischen Kunden gab die Firma im Januar bekannt, dass sie die Verhandlungen einstellen und das Büro in Israel schliessen würde. Das war der Moment, in dem eine Anzahl israelischer Unternehmen begann, Interesse am Kauf der Anteile von BG am Gasfeld zu bekunden. Vor zwei Jahren führte Tethys Sea, einer von zwei israelischen Lieferanten von Naturgas, Verhandlungen mit BG, doch es kam zu keinen Übereinkünften. EMG, der zweite israelische Lieferant von Naturgas, ist ein gemeinsamer israelisch-ägyptischer Produzent.

Dementi von beiden Seiten

BG hat die in diesem Artikel aufgeführten Details dementiert, und auch die Israel Corporation dementiert, Verhandlungen mit BG zu führen. Bei der Israel Corporation fügt man hinzu: «Es stimmt nicht, dass die Gruppe Regierungskreise um Garantien angegangen hat.» Immerhin gibt Israel Corporation zu, dass sie heute und in Zukunft auf Gasquellen angewiesen ist, da sie dank ihren Fabriken und geplanten Kraftwerken eine grosse Energiekonsumentin sei. «Deshalb bereiten wir uns darauf vor, verschiedene Energiequellen zu erschliessen.»

Was steckt hinter den wirklichen oder angeblichen Kontakten der Israel Corporation zu BG? In erster Linie die weltweit wachsende Nachfrage nach Naturgas, aber auch die Prognosen für einen ernsthaften Gasmangel in Israel, vor allem für die Produktion von Elektrizität. Das -Infrastrukturministerium rechnet damit, dass schon im Jahr 2020 rund 40 Prozent der israelischen Elektrizität von Naturgas stammen wird, verglichen mit nur einem Prozent heute. Die beiden weiter oben genannten Lieferanten von Naturgas dürften nicht in der Lage sein, die Nachfrage zu befriedigen. Ein nukleares oder kohlenbetriebenes Kraftwerk steht nicht in Aussicht, und die privaten Stromproduzenten hängen alle von Naturgas ab. Neben BG sind andere potenzielle Quellen russisches Gas, das via eine türkische Pipeline geliefert würde, oder ein sogenannter LNG-Terminal (Liquid Natural Gas). Dieser ist zwar geplant, aber noch lange nicht einsatzbereit.

BG ist es während über eines Jahrzehnts nicht gelungen, einen Abschluss mit israelischen Partnern unter Dach und Fach zu bringen, und es macht den Anschein, dass Sami und Idan Ofer überzeugt sind, mit ihrer Israel Corporation dort erfolgreich zu sein, wo BG versagt hat.