Fruchtbare Entwicklungshilfe
Zeying Zheng hat bereits dreimal an Frauenförderungsprogrammen in Israel teilgenommen und sagt, das dort Gelernte sei sehr wichtig für China. «Unsere grösste Herausforderung ist die Erziehung», sagt sie. «Ich war deshalb vor allem in Ausbildungsprogrammen für Frauen engagiert. Wenn wir unsere junge Generation betrachten, ist sie, in Prozenten ausgedrückt, nicht so ausgebildet wie die israelische oder die amerikanische.»
Zheng gehört zu den rund 50 ehemaligen chinesischen Teilnehmern an den Programmen von Mashav, die sich kürzlich in der israelischen Botschaft in Peking einfanden, um die vor 16 Jahren begonnene Teilnahme Chinas an diesem 50-jährigen israelischen Programm zu feiern. «Mashav», ein hebräisches Akronym für «Zentrum für Internationale Kooperation», ist eine Abteilung des israelischen Aussenministeriums. 1958, nach einem Besuch in Afrika, gründete die damalige Aussenministerin Golda Meir das Programm im Bestreben, an Entwicklungsländer Erfahrungen weiterzugeben. China arbeitet seit 1992 mit Mashav, also seit dem Jahr, in dem die beiden Staaten diplomatische Beziehungen aufnahmen. Seither haben bereits rund 8000 Chinesen an Mashav-Kursen teilgenommen. In diesem Jahr sind 40 Kurse vorgesehen, verglichen mit 32 im letzten Jahr.
Erfolgreiche Milchproduktion
An der in Peking durchgeführten Konferenz zeigten die einzelnen Visitenkarten, dass die chinesischen Mashav-Teilnehmer heute beeindruckende Institutionen in den verschiedensten Bereichen repräsentieren: die China Agricultural University, die All-China Women’s Federation, die Forst-Universität von Peking sowie pharmazeutische und medizinische Firmen.
Neben den erfolgreichen einzelnen Karrieren gehören die chinesisch-israelischen Landwirtschaftsbetriebe zu den sichtbarsten Beweisen für die bedeutende Tätigkeit von Mashav in China. Der erste dieser Betriebe – in dem Blumen und Gemüse gezüchtet werden – entstand 1993 unweit von Peking. PremOlmebesuchte 2007 den Yongledian-Betrieb für Milchprodukte und Viehzucht, ebenfalls nahe Peking. Der Betrieb wurde anhand von israelischen Vorbildern entworfen. Er gehört der chinesischen Firma Sanyuan, die über einen beachtlichen Marktanteil im Land verfügt. Der Betrieb mit seinen über 1050 Milchkühen hat im letzten Jahr Rekordproduktionszahlen erreicht. Nach Angaben von Firmensprechern war der Ertrag der höchste unter allen ähnlichen Betrieben von Sanyuan, und wahrscheinlich auch der höchste aller chinesischen Milchproduktionsbetrieben überhaupt.
Reisen nach Israel
Zu den Sprechern an der Konferenz in Peking gehört Lilong Gan, der einen staatlichen Milchbetrieb in der südlichen Provinz von Guizhou leitet. «Es war eine gute Sache, die hoch entwickelte Milchproduktion in Israel zu sehen», sagt Gan, der 2006 in Israel Kurse besucht hat. Ende des Jahres will er einen israelischen Experten für einen Workshop über die Verwaltung von Milchprodukten nach Peking bringen. Er ist voller Bewunderung für die Technologie und die Verwaltungsstile, die er in Israel zu sehen bekam, doch ganz besonders beeindruckt hat ihn das Programm von Mashav, dank dem er Israel kennenlernte. Er bekam das ganze Land zu sehen, einschliesslich der Gedenkstätte Yad Vashem. «Israel ist sehr klein und wir haben in China nur selten mit dem Land oder Juden überhaupt zu tun», so Gan.
Wang Nan von der Zeitung «People’s Daily» nahm 2006 an einem Medienkurs von Mashav teil. Die oberste Priorität des Programms war seiner Meinung nach weniger die Förderung beruflicher Fähigkeiten, als vielmehr den Teilnehmern zu helfen, Israel zu verstehen. Für die israelische Botschaft in Peking stelle er, wie er sagt, sicher eine «Erfolgsstory» dar, habe er seit seiner Rückkehr aus Israel doch schon «Zehntausende von Worte über Israel geschrieben». Die einzige Kritik am Programm ist, dass ihm keine Gelegenheit geboten wurde, das Zuhause eines typischen Israeli zu besuchen. «Während eines ähnlichen Programms in Japan hatte ich die Möglichkeit, eine Familie zu besuchen. Das ist wichtig. Wir könnten Freundschaften schliessen und dann über Jahre hinweg in Kontakt bleiben. Das wäre auch für Israel gut.»
Die Konferenzteilnehmer scheinen aber auch so auf beruflicher, technischer und persönlicher Ebene besondere Beziehungen zu Israel entwickelt zu haben. Zheng beispielsweise studiert seit ihren Reisen nach Israel in den Jahren 1994, 1996 und 2006 intensiv israelische und jüdische Geschichte. Sie liest regelmässig in der Bibel, die sie von der israelischen Botschaft erhalten hat, und dank ihrer Mashav-Reisen kann sie Zusammenhänge zwischen dem Gelesenen und der Geschichte des jüdischen Volkes herstellen.
Alison Klayman