Frauenpower im Kantonsrat
Um die Frauenpower im Kantonsrat zu ergänzen, waren beide Gemeinden durch Frauen vertreten: Shella Kertész, Co-Präsidentin der ICZ, und Nicole Poëll, Präsidentin der JLG. Sie sassen prominent platziert neben dem präsidialen Hochsitz an der Seite von Pfarrer Ruedi Reich, dem Präsidenten des evangelisch-reformierten Kirchenrats, und Benno Schnüriger, Präsident der Zentralkommission der römisch-katholischen Körperschaft. Ein Mitglied der Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission lobte die Beiträge der beiden jüdischen Gemeinden für das Gemeinwohl und zeichnete die Geschichte der jüdischen Bevölkerung in der Schweiz und in Zürich nach, ohne die Themen Verfolgung, Folter, Ermordung und Vertreibung im 14. Jahrhundert auszulassen. Abgeordnete von CVP, EVP und EDU befürworteten das Geschäft mit ausdrücklichem Willkommen für die jüdischen Gemeinden.
Pfarrer Reich erinnerte den Rat daran, dass auf den Tag genau vor 90 Jahren die Zürcher Reformierten als erste europaweit Frauen als Pfarrerinnen ordinierten, was vom Regierungsrat und vom Bundesgericht nicht akzeptiert wurde. Erst 1963 konnten in Zürich Frauen offiziell ordiniert werden. «Umso mehr freue ich mich, heute mit zwei jüdischen Präsidentinnen die erste Kenntnisnahme ihrer Jahresberichte zu erleben», sagte er zu tachles. Benno Schnüriger freute sich in seinem Votum, die jüdischen Gemeinden zu begrüssen. Die öffentlich-rechtliche Anerkennung bedeute für den Kanton Zürich einen Meilenstein und eine Wertschätzung des Staates für das jüdische Engagement.
Im Namen beider Gemeinden sagte Nicole Poëll, heute werde ein neues Kapitel für die Zürcher Jüdinnen und Juden aufgeschlagen. Sie und ihre Kollegin seien sich dessen bewusst und schätzten die gute Zusammenarbeit. Besonders dankte sie dem eigens für diese Stunde anwesenden Regierungspräsidenten Makus Notter und dessen Mitarbeitenden für die Unterstützung und den Landeskirchen für die Bereitschaft, den Kuchen mit den beiden jüdischen Gemeinden zu teilen. Sie seien bereit, zum Verständnis und zur Integration beizutragen. Das Geschäft wurde mit 159 Ja-Stimmen, null Nein-Stimmen und einer Enthaltung angenommen.