Frauen, wechselt das Trottoir!

October 11, 2011
Extreme Rabbiner wollen strikte Sittlichkeitsgesetze einführen.

Unlängst erregten an Bäumen festgemachte Plastikplakate in einem Park im Wohnviertel South Williamsburg in Brooklyn allgemeines Aufsehen. Kein Wunder, werden auf dem in jiddischer Sprache verfassten Pamphlet Frauen doch aufgefordert, zur Seite zu treten, wenn sie sehen, dass ein Mann sich ihnen nähert. «Teure jüdische Töchter», liest man auf dem Plakat, «tretet bitte zur Seite, wenn sich ein Mann Euch nähert.» Die Zeitung «Brooklyn Paper» berichtete weiter, dass mit dem Unterhalt des Parks befasste Arbeiter 16 der Plakate entfernt haben, weil sie an Bäumen angebracht worden waren, die der Öffentlichkeit gehören. Auf einer solchen Gesetzesübertretung steht eine Busse von 150 Dollar. Die Plakate sind dem Vernehmen nach Bestandteil einer Kampagne der extremen rabbinischen Gruppe «Central Rabbinical Congress», die bereits andere Dekrete publiziert hat. Im Juni etwa haben die Rabbiner Frauen das Tragen von Pullunders verboten.

Nicht weniger rigorose Nachrichten kommen aus dem ultra-orthodoxen Jerusalemer Viertel Mea Shearim. In krasser Missachtung eines diese Praxis ausdrücklich verbietenden Gerichtsbeschlusses sollen auch dieses Jahr anlässlich des am Mittwochabend beginnenden einwöchigen Laubhüttenfestes (Sukkot) Männer und Frauen in gewissen Strassen auf durch Plastiktücher getrennten Pfaden gehen. Frauenrechtlerinnen und Organisationen gegen religiösen Zwang wollen auch dieses Jahr wieder gegen die Segregation an öffentlichen Orten protestieren. [JU]