Frauen lancieren Online-Bibelstudium

von Jaques Ungar, May 28, 2009
Zur Würdigung des Wirkens der vor wenigen Jahren verstorbenen Zürcherin Bea Zucker wurde in Jerusalem am diesjährigen Bildungsseminar des International Council for Jewish Women ein Online-Bibelstudien-Programm für Frauen in aller Welt lanciert. Mit der Vizepräsidentin Vera Kronenberg und Chana Berlowitz sind zwei Schweizerinnen massgeblich an Entwicklung und Verbreitung dieses Programms beteiligt.
ENGAGIERTE FRAUEN Chana Berlowitz, Leila Siegel, Inge-Lise Wormser, Nurit Löwinger, Leonie de Picciotto, Genf, vorne: Vera Kronenberg, Esther Rothschild (v.l.n.r.)

Einer der Höhepunkte des Herczeg-Jerusalem-Seminars für jüdische Bildung, das der International Council for Jewish Women (ICJW) vom 17. bis 20. Mai im Kibbutz Ramat Rachel bei Jerusalem durchgeführt hat, war die Lancierung des interaktiven Bea-Zucker-Online-Bibelstudien-Programms für Frauen in aller Welt. DasMotto des Kurses lautet «The Five Books of Moses: Contemporary Issues and Classic Perspectives». Vorgänger dieses Programms war ein äusserst erfolgreicher zehnteiliger Kurs über zehn biblische Frauen gewesen, der, wie auch das neue Programm, in den Sprachen Russisch, Englisch und Spanisch verfügbar war und Tausende von Interessentinnen und Interssenten aus aller Welt anzog.

Bibelstudium

Aus schweizerischer Sicht war die Lancierung des Bea-Zucker-Bibelstudien-Programms von besonderer Bedeutung. Mit Vera Kronenberg (Basel, ICJW-Vizepräsidentin) und Chana Berlowitz (Zürich) stehen nämlich zwei schon seit vielen Jahren für die Rechte und die Stellung der Frauen in allen Aspekten der Gesellschaft engagierte jüdische Frauen aus der Schweiz als Leiterinnen des Programms – man darf sie auch als dessen geistige Schöpferinnen bezeichnen – im Zentrum des Denkens und Geschehens. Die Realisierung des Programms und die Sicherung seiner Durchführung für die nächsten drei Jahre wurden ermöglicht durch die Grosszügigkeit und das Verständnis von Gabrielle und Olivier Zucker, den Kindern der vor einigen Jahren verstorbenen Zürcherin Bea Zucker, die sich zeitlebens für die Verbreitung von jüdischem Wissen eingesetzt hatte, vor allem unter Frauen, die keine Gelegenheit für eine jüdische Schulbildung gehabt haben. Auch das Erreichen jüdischer Frauen in Osteuropa war Bea Zucker, für die der ICJW stets im Zentrum des Wirkens gestanden hatte, ein echtes Anliegen gewesen.

Gemeinsame Initiative

Der dreijährige Kurs des nun angelaufenen Bibel-Programms ist von Bonna Devora Haberman, Forscherin, Autorin und Lehrerin, verfasst worden. Er enthält auch ein Online-Forum, das Teilnehmerinnen und Teilnehmern ermöglicht, das studierte Material untereinander zu diskutieren, aber auch Bonna Haberman selber Fragen zu stellen. Interessentinnen und Interessenten klicken auf «Jewish Education» auf www.icjw.org. Das Programm entspringt einer gemeinsamen Initiative des ICJW und des Rappaport-Zentrums für Assimilationsforschung und die Stärkung der jüdischen Vitalität der Bar-Ilan-Universität. Das alle vier Jahre abgehaltene Bildungsseminar des ICJW, der  52 Organisationen in 47 Ländern vertritt, vermochte diesmal mit Teilnehmerinnen aus 17 Ländern etwas weniger Gäste als sonst zu mobilisieren, was Vera Kronenberg auf die allgemein durch die Wirtschaftskrise getrübte Atmosphäre zurückführt. Dessen ungeachtet stand das Seminar unter dem Leitsatz «Zeit und Ort: Profunde philosophische Konzepte im Judentum» inhaltlich und intellektuell auf aussergewöhnlich hohem Niveau. Der nächste Kongress des ICJW findet vom 6. bis 12. Mai 2010 in Cape Town, Südafrika, statt, und Vera Kronenberg ist überzeugt, dass er sich angesichts der zahlreichen akuten sozialen und wirtschaftlichen Probleme, vor welche sich nicht zuletzt die jüdische Frau gestellt sieht, eines Grossaufmarschs interessierter und aktiver Teilnehmerinnen erfreuen wird.