Fragwürdige Liebesdienste

June 13, 2008
Colette Avital zur Lage in Israel

Israeli sehnen sich derart nach Liebe, dass sie die Unterstützung von christlichen Gruppen in grosse Erregung versetzt. Das stimmt, wenn die Unterstützung in der Form politischer Unterstützung erfolgt, gilt aber auch, wenn die Hilfe in der Form von Millionen von Dollar kommt, die grosszügig an verschiedene Projekte in Israel fliesst, von welchen einige fragwürdigen Charakter haben. Vor einigen Wochen veranstaltete die evangelikale Führung sogar eine Konferenz in Israel, wobei einige der wichtigsten israelischen Persönlichkeiten zugegen waren.

Die Unterstützung durch amerikanische Evangelikane stösst in Israel nicht auf die nötige Aufmerksamkeit. Die empörende Äusserung des Pfarrers John Hagee, einem Evangelikanen, der seine Ansichten nicht nur in seiner Kirche in Texas verbreitet, sondern auch über populäre TV-Kanäle, ist nur eines von vielen Beispielen für die extremistischen Meinungen, welche von jenen ignoriert werden, die unkritisch die Hilfe über allen Klee loben, die Israel von den Evangelikanen erhält.

Hagee ist Gründer der Lobby Vereinigte Christen für Israel, welche letztes Jahr den Segen der Israel-Lobby AIPAC erhalten hat. Hitler und der Holocaust, so argumentiert Hagee, waren Teil eines göttlichen Planes, die Juden aus Europa zu vertreiben und sie ins Land Israel zu bringen. Das stehe in den Prophezeiungen der Bibel, so der Pfarrer. Wie werde Gott, so fragt er, die Juden in ihre Heimat zurückbringen? Die Antwort: «Durch Fischer und Jäger. Ein Jäger ist einer, der mit dem Gewehr in der Hand kommt und Dich zwingt. Hitler war ein Jäger.»

Als eine Person, die vertraut ist mit den Ansichten der Evangelikanen und ihrem Glauben an das zweite Kommen des Jesus, überrascht mich persönlich nichts an dieser Behauptung. Im Gegenteil. Es ist erleichternd, dass die Wahrheit endlich ans Tageslicht kommt. Dieses Mal handelt es sich nämlich nicht um einen Lapsus linguae, um einen verbalen Ausrutscher, und die Argumente sind auf der Website der Kirche festgehalten. Müssen wir noch unterstreichen, dass Jesus nur nach einem Armageddon zurückkehren kann, und dass es zu diesem Zweck am besten ist, wenn Israel weiter im Kriegszustand verweilt?

Die Hilfe Hagees und seiner Lobby ist aber nicht unvoreingenommen. Spezifische Persönlichkeiten und Parteien erhalten grosszügige Unterstützung. Hagees Evangelikane lehnen die Zweistaatenlösung ab, die derzeit von einer grossen Mehrheit der Israeli akzeptiert wird. Als Folge lenkt Hagees Fussvolk seine Finanzen und Hilfe in Richtung einer ganz bestimmten politischen Agenda in Israel.

Vor zwei Jahren meinte Hagee in einem Interview, er würde Krankenhäusern und Waisenhäusern seine Hilfe offerieren. Wer ihn kennt, sieht in dieser Äusserung keine wahrscheinliche Option. Hagee, ein «Freund», der Israel predigt, keinen Millimeter Land aufzugeben, stellte sich im amerikanischen Präsidentschaftsrennen hinter den republikanischen Senator John McCain. Seine jüngsten Erklärungen aber, und insbesondere die letzte Wortmeldung des Evangelikanen, brachten McCain derart in Verlegenheit, dass er auf Hagees Hilfe verzichtete.

Wäre es folglich nicht am Platz, von Premierminister Ehud Olmert und Aussenministerin Tzippi Livni eine klare, unmissverständliche Verlautbarung zu erwarten, dass auch sie ihre Kontakte zu Hagee und seinesgleichen kappen? Schliesslich wissen wir ganz genau, wie es um die Zielsetzungen bestellt ist, die sich hinter solchen Bärendiensten verbergen.