Flick-Museum - geschenkt!
Auch nicht sein Versprechen, für die mehr als 2500 Exponate ein privates Museum beim Rotterdamer Star-Architekten Rem Kolhaas zu bestellen und zu bezahlen, täuschte die Zürcher Theater- und (wenigstens einen Teil) der Kunstszene nicht über die dubiose Herkunft des Flickschen Vermögens hinweg. Der seit 30 Jahren in der Schweiz lebende Flick ist der Enkel des Konzerngründers Friedrich Flick, der während des Zweiten Weltkriegs als Rüstungsgrossproduzent für Hitler zeitweise bis zu 40 000 KZ-Insassen, Zwangs- und Sklavenarbeiter ausbeutete. Der Konzern, der trotz Flicks Verurteilung durch das Nürnberger Gericht wieder auferstand, wurde später verkauft und besteht nicht mehr. Die Erben weigern sich bis heute, sich am Entschädigungsfonds der deutschen Industrie für überlebende Zwangsarbeiter zu beteiligen. Flick hält an dieser Weigerung fest, möchte nun aber eine Stiftung mit 10 Millionen Mark Einlage für «Basisarbeit» gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz gründen. Dennoch hat er die für 2002 geplante Ausstellung eines Teils seiner Sammlung wieder abgesagt. Sie hätte im Münchner Haus der Kunst stattgefunden, das 1937 unter dem Applaus Hitlers eröffnet wurde und vom Zürcher Christoph Vitali geleitet wird. Anscheinend bestehen auch in München Anschuldigungen gegen ihn, und Präzedenzfälle zu Recht zurückgehaltener oder gar beschlagnahmter Werke gibt es gegenwärtig genügend. Der Tages-Anzeiger lädt auf Mittwoch, 4. April, 19.30 Uhr, zu einem Polit-Podium über diese Kontroverse in den Vortragssaal des Museums für Gestaltung (Ausstellungsstrasse 60) in Zürich ein. Unter Leitung des TA-Redaktors Hans-Peter von Däniken diskutieren Jean-Pierre Hoby von der Präsidialabteilung der Stadt Zürich, Rein Wolfs, Direktor des benachbarten Migros-Museums, Christian von Faber-Castell, Kunstmarkt-Korrespondent, sowie Walter Grasskamp, Professor für Kunstgeschichte in München. Weder Flick noch die Mitarbeitenden seiner Sammlung oder sein junger Galerist haben die Einladung angenommen.