Feierliches 100-Jahr-Jubiläum

Von Fabio Luks, April 15, 2011
Am vergangenen Sonntag feierte die Gemeinde Agudas Achim mit der Einweihung einer neuen Sefer Thora ihr 100-jähriges Bestehen.
AGUDAS ACHIM IN ZÜRICH Das 100-Jahr-Jubiläum wurde gebührend gefeiert

Mit einem Umzug rund um den Bereich der Zürcher Weststrasse zelebrierte die Gemeinde Agudas Achim am letzten Sonntag ihr 100-Jahr-Jubiläum. Speziell für diesen Anlass liess die Gemeinde eine neue Sefer Thora schreiben, die eingeweiht wurde. Am Abend nahmen rund 700 Personen am Jubiläumsdiner teil. Nach der Begrüssung durch das Vorstandsmitglied Jossi Beck hielten der Präsident Eli Rosengarten und Rabbiner Schoul Breisch eine Ansprache, worin sie die gegenseitige Toleranz und den Zusammenhalt in der Gemeinde betonten, im Sinne von «Einheit in der Vielfalt». Der Abend wurde durch einen Kinderchor eröffnet und von verschiedenen musikalischen Einlagen begleitet. Zum Abschluss rief ein Video aus alten Zeiten, in dem auch Filmausschnitte von der Grundsteinlegung der Synagoge im Jahre 1958 gezeigt wurden, die früheren Jahre in Erinnerung.

Beginn des 20. Jahrhunderts    

Bereits um die vorletzte Jahrhundertwende hatten sich in Zürich-Aussersihl, dem ehemaligen Arbeiterquartier, orthodoxe Juden aus Polen und Russland niedergelassen. Diese waren aus wirtschaftlicher Not und Verfolgung gezwungen gewesen, ihre Heimat zu verlassen, und sie trafen mit bescheidenen Mitteln in Zürich ein. Die Gemeinde Agudas Achim wurde 1911 gegründet. Ein gewisser J. Abrach liess sich, als erstes Mitglied, am 14. September desselben Jahres ins Gemeindebuch eintragen. Der erste Präsident hiess Pinkus Ziporkin und kam aus Odessa. Im Laufe der Zeit bildeten sich diverse Betlokale im Kreis 4. So waren im «Jüdischen Jahrbuch» von 1916 bereits sieben Lokale verzeichnet. Je nach Herkunft fühlten sich die Menschen an verschiedenen Orten wohl. Den bereits bestehenden Gemeinden Israelitische Religionsgesellschaft und Israelitische Cultusgemeinde Zürich wollte man sich aber nicht anschliessen. Da die Gemeinschaft ständigen Zuwachs verzeichnete, wurde die Gründung eines Gemeindehauses ostjüdischer Prägung notwendig. Die Liegenschaft an der Erikastrasse 8, wo auch die heutige Synagoge steht, wurde schon 1920 von Jakob Amsler gekauft. Zu dieser Zeit war das Gebäude noch ein Mehrfamilienhaus, in dem die Gemeinde zunächst einen Betsaal, Schulzimmer für die Talmud-Thora-Schule und Wohnungen einrichtete. Im Jahr 1945 beschloss man an der Gemeindeversammlung den Bau einer neuen Synagoge. Zehn Jahre später gelang es dann dem Zürcher Architekten Walter Sonanini die verschiedenen Liegenschaften an der Erika-, der West- und der Bremgartnerstrasse zusammenzulegen und neu zu parzellieren. Am 12. Oktober 1959 konnte der Grundstein des heutigen Gemeindehauses gelegt werden, das am 27. März 1960 feierlich eingeweiht wurde.

Agudas Achim heute

«Wir sind dankbar, dass unsere Gemeinde 100 Jahre nicht nur überstehen, sondern sich in dieser Zeit ständig vergrössern und entwickeln konnte, und ihr Ziel, ihren Kindern eine Erziehung im Sinne der Thora zu bieten und vorzuleben, nie aus den Augen verlor», sagte Philipp Franzos vom Organisationskomitee der Feier, im Hinblick auf das Jubiläum. Das Gemeindehaus erfreut sich heute reger Betriebsamkeit. Laut Franzos ist Agudas Achim eine der wenigen jüdischen Gemeinden der Schweiz, die stetig wachse. Zurzeit dürfte die Mitgliederzahl offziell bei rund 300 liegen, wobei Familien und alleinstehende Personen (Männer und Frauen) gezählt werden. Da oft kinderreiche Familien unter den Mitgliedern sind, liegt die Gesamtzahl der Personen, die sich der Gemeinde Agudas Achim zugehörig fühlen, wesentlich höher. In den letzten 20 Jahren mussten im Gemeindehaus aufgrund der starken Nutzung zudem diverse Renovationsarbeiten vorgenommen werden. «Ein neues Gemeindehaus wäre bestimmt kein Luxus, ist doch der Bau der fünfziger Jahre den heutigen Anforderungen schon lange nicht mehr gewachsen», so Franzos. Na dann: Masal Tow!