Faszinierendes Bauwerk

Von Pierre Sobol, December 2, 2011
KAUM RECHTE WINKEL Die Eingangs­fassade der von Manuel Herz entworfenen Mainzer Synagoge

Nachdem vor etwa einem Jahr ein Vortrag des Architekten Manuel Herz in der Israelitischen Gemeinde Basel über seine 2010 fertiggestellte Synagoge in Mainz ein grosser Publikumserfolg gewesen war, organisierte die Gemeinde zusammen mit der Gesellschaft Schweiz-Israel und der Ofek eine Reise nach Mainz.
Vera Kronenberg als Vertreterin der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB), führte die 40-köpfige Reisegruppe zusammen mit Roman Geeser am 20. November in das Zentrum zerstörten und vergangenen jüdischen Wissens Deutschlands – nach Mainz.
Zehn Jahre dauerte der Prozess von der Planung bis zur Einweihung der neuen Synagoge im September letzten Jahres, wusste der Architekt Manuel Herz dem wissbegierigen Publikum zu erzählen. Aber nur zwei Jahre dauerte die eigentliche Erstellung des Neubaus. 72 Jahre nach der Zerstörung der Synagogen in Mainz konnte wieder jüdisches Leben erblühen. «Der Architekt hat der neuen Synagoge von Mainz, seinem Gebäude den Begriff ‹Kaduscha› unterlegt, als Heiligung oder Erhöhung der Grundformel der feierlichsten jüdischen Gebete», stand nach der Einweihung in einem Artikel der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».
Aussenhülle und Innenraum der Synagoge bestehen aus unzähligen Buchstaben. Wo man hinsieht, erkennt man bedeutungsvolle Symbole des Judentums. Die verwendeten Baustoffe wirken auf den Betrachter sehr edel und beeindruckend. Gold und mattes Anthrazit. Auch wirken alle Räume hell und freundlich. Kaum ein Bauteil kommt von der Stange und kaum eine Wand weist einen rechten Winkel auf – ein äusserst gelungenes Bauwerk. Für die Gestaltung der Aussenhülle wurden eigens dafür eingefärbte und gebrannte Keramikkacheln verwendet, die entsprechend der Form der Fassade immer wieder ihr Aussehen ändern. Die Sonne spielt mit dem Betrachter und lässt die Farbe der Hülle ständig wechseln.
In der Woche nach der Eröffnung organisierte die Mainzer Gemeinde einen Tag der offenen Tür. Man erwartete ein paar Interessierte, es kamen 12 000! Ein zweiter Tag war genauso erfolgreich, und das Interesse lässt bis zum heutigen Tag nicht nach.