Explodierende Preise
Von Motti Bassok und Nathan Sheva
Steht Israel nach einer längeren Periode der Stabilität vor einer neuen Inflationswelle? Der Konsumentenpreisindex stieg im April um 1,5 Prozent. Das ist nach Angaben des Statistischen Zentralbüros seit sechs Jahren die höchste Teuerung für diesen Monat. Angesichts dieses Inflationsschubs dürfte Zentralbankgouverneur Stanley Fischer kaum etwas anderes übrig bleiben, als den Zinssatz für Juni von gegenwärtig knapp 3,3 Prozent um bis zu 0,5 Prozent hinaufzusetzen.
Zielvorgaben verpasst
Die April-Inflation liegt weit über den Prognosen der Zentralbank und ihrem Gouverneur. In den letzten zwölf Monaten ist die Inflation in Israel um 4,7 Prozent gestiegen, was auch die Zielgrössen von ein bis drei Prozent des Kabinetts und der Zentralbank deutlich übersteigt. Da auch für die Monate Mai und Juni in Israel mit einer anziehenden Teuerung gerechnet werden muss, muss Stanley Fischer damit rechnen, auch dieses Jahr wieder, wie schon in den zwei vorhergehenden Jahren, seine Zielvorgabe zu verpassen. Die meisten Kategorien, die zusammen den Konsumentenpreisindex ausmachen, verzeichneten für den April deutlich höhere Preise. An der Spitze liegen Bekleidung und Schuhe, die um 6,7 Prozent teurer wurden. Nahrungsmittel, einschliesslich Obst und Gemüse, legten 2,3 Prozent zu, während der Sektor Transport und Kommunikation 2,0 Prozent zulegte. Sieben der total zehn wichtigsten Subkategorien waren im April bedeutend teurer als im Vormonat. Demgegenüber verzeichnete man für die Kategorien Möbel und Haushaltmöbel, Gesundheit und Verschiedenes bescheidene Preisrückgänge.
Alle Prognosen übertroffen
Die aussergewöhnlich hohe Inflationsrate für den Monat April übertraf alle Prognosen im staatlichen wie im privaten Sektor klar, hatten diese doch ausnahmslos zwischen 0,9 und 1,0 Prozent gelegen. Sogar wenn berücksichtigt wird, dass der April-Index wegen der traditionell grossen Einkäufe für das Pessachfest und des Übergangs vom Winter zum Frühling relativ hoch ist, hat das Ergebnis für den vergangenen Monat alle Befürchtungen übertroffen. Zu den Rekordträgern an der Inflationsfront gehören frisches Obst (plus 11,0 Prozent), Tomaten (plus 94 Prozent!), Reis (plus 16,3 Prozent), Zitronen (plus 48,3 Prozent) und Bananen ( plus 31,2 Prozent). Die Preise für Benzin und Öl stiegen um 1,6 Prozent, und der Strom wurde um 1,2 Prozent teurer.
Der weltweite Anstieg für Öl- und Nahrungsmittelpreise ist der Hauptgrund für die hohe Inflation der letzten Monate in Israel. Der Industriellenverband des Landes appellierte an Stanley Fischer, seine wachstumsfördernde Politik fortzusetzen und am Ende des Monats von einer Zinserhöhung abzusehen. Der Hauptgrund für die Teuerung in Israel sei ein externer Faktor – und daher würde die Wirkung einer Zinserhöhung verpuffen, meinten die Industriellen.