Europäischer Tag der Jüdischen Kultur

August 29, 2008
Am kommenden Sonntag findet in 30 Ländern Europas der Europäische Tag der Jüdischen Kultur statt. Innerhalb des Schweizer Programms finden zahlreiche kulturelle Veranstaltungen statt, die einen vielseitigen Einblick in Vergangenheit und Gegenwart der Jüdinnen und Juden Europas versprechen. Thema des Tages ist die Musik.
<strong>Tag der j&uuml;dischen Kultur </strong>Auch in der Schweiz wird ein vielseitiges Programm wie die Besichtigung der Basler Synagoge angeboten

In Zürich hat Omanut (Verein zur Förderung der jüdischen Kultur in der Schweiz) im Club Moods im Schiffbau eine viel versprechende ganztägige Veranstaltung organisiert. Im Zentrum der Darbietungen, Referate und Ausstellungen unter dem Motto «In the mood for Jewish sounds? Jewish sound at Moods!» stehen bereits um zehn Uhr morgens Kompositionen jüdischer Komponisten für Kabarett und Musical, Jazzbands, Hochzeitskapellen, Operette und Oper. Omri Ziegele und Noëmi Nadelmann sind die bekanntesten Live-Interpreten des Tages. Die Kulturkommission der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich lädt derweil zum bestimmt vergnüglichen «Sing-Along» mit dem israelischen Gitarristen David Solan.

Jüdisches Basel

Nach Basel lockt ein Workshop von Migwan, Forum für Progressives Judentum, zu israelischem Volkstanz und einer geschickt vorangestellten Erläuterung zu den progressiven jüdischen Strömungen, während das Jüdische Museum der Schweiz mit Stolz seine neue Leihgabe präsentiert: Der Ring mit einer gravierten Menora, einem Shofar und einem Etrog, der in den römischen Ruinen von Kaiseraugst gefunden wurde, stammt aus dem vierten Jahrhundert und stellt bis zum 13. Jahrhundert den einzigen Beleg für jüdisches Leben in der Gegend dar. Louis Berger wird ein erläuterndes Referat zu dem Thema halten. In den Räumen des Museums werden in einem Konzert sephardische Lieder erklingen und Anna Rapp Buris Buch «Jüdisches Kulturgut in und aus Endingen und Lengnau» wird im Beisein der Autorin gefeiert werden. Führungen auf dem – bereits 1673 begründeten – Friedhof Hegenheim im Elsass und in der Synagoge der Israelitischen Gemeinde Basel werden ebenfalls angeboten.

Musisches vielerorts

Die Nachmittagsstunden widmet die Jüdische Gemeinde Bern unter anderen einem der bedeutendsten Komponisten synagogaler Musik, Louis Lewandowski (1821–1894), dessen Kompositionen das Quartett Kol Sason präsentieren wird. Anschliessend wird der Forscher und Interpret Francois Lilienfeld anhand von Musikbeispielen in die Geschichte der Klezmermusik einführen.

Nicht vernachlässigt werden an diesem Tag die kleineren Gemeinden der Schweiz: Die von den meisten Juden der Schweiz wohl noch nie besuchte Synagoge von Delémont wird zum Orchestersaal, wo Kammermusik gespielt wird, während das Trio Golan die Synagoge von La-Chaux-de-Fonds – im Jahre 1850 die grösste Gemeinde der Schweiz – als Konzertsaal für jiddische Musik nutzen wird. Die prächtige Synagoge kann während der Pausen besichtigt werden.

Gesang und Tanz in Genf

In Genf bietet die Israelitische Gemeinde ein Nachmittagsprogramm, das von Workshops zu Gesang, Tanz und einer Vernissage der Shadya-Ausstellung hin zu einer Bibliotheksführung zum Thema «Jüdische Musik» reicht. Ein Chasanut-Konzert in der hiesigen Synagoge und ein Vortrag des vielseitigen Mäzenen und Schriftstellers Metin Arditi in der Liberalen Gemeinde runden den Tag dort ab.

Alexander Alon

Detaillierte Auskunft über alle Veranstaltungen gibt die Website www.jewish-heritage.org und, für das von Omanut organisierte Event, www.omanut.ch. Die Veranstaltungen sind, mit Ausnahme der meisten im Moods am Schiffbau (www.moods.ch), kostenfrei.