Erfolgreiches Imperium

von Gabriella Rothschild, December 3, 2009
«Vogue», «Vanity Fair» und «GQ» sind nur einige der weltbekannten Publi kationen von Amerikas grösstem privaten Medienkonzern. Dessen Gründer Samuel Irving Newhouse schuf in kurzer Zeit ein Imperium, dessen Publikationen heute in vielen Ländern der Welt gelesen werden.
NEWHOUSE MIT «VOGUE»-CHEFREDAKTORIN ANNA WINTOUR Der Junior ist in die Fussstapfen seines Vaters getreten

Samuel Irving Newhouse wurde am 24. Mai 1895 in Bayonne im amerikanischen Bundesstaat New Jersey als ältestes von acht Kindern geboren. Nachdem sein Vater zahlreiche geschäftliche Misserfolge hatte hinnehmen müssen, fiel es den Eltern, orthodoxen jüdischen Immigranten aus Russland, schwer, die grosse Familie zu ernähren. Daher musste S. I., wie ihn jeder nannte, schon kurz nach seiner Bar Mizwa die Schule verlassen. Sein erstes Geld verdiente er bei der «Bayonne Times», der einzigen, wenig angesehenen Tageszeitung der Kleinstadt. Schnell erkannte er die finanziellen Möglichkeiten, die das Zeitungsgeschäft zu bieten hatte. Er begann Inserate zu akquirieren, lokale Berichte und Comics zu veröffentlichen und veranlasste darüber hinaus, dass täglich alle Haushalte der Stadt mit der aktuellen Ausgabe der Zeitung beliefert wurden. Ein exklusiver Service, der bis dahin noch unbekannt gewesen war. Während er sich bei der «Bayonne Times» Schritt für Schritt hocharbeitete, erwarb er nebenbei seinen High-School-Abschluss und begann an einer Abendschule mit dem Studium der Rechtswissenschaften, das er mit 21 Jahren erfolgreich abschloss. Trotz der exzellenten Ausbildung wollte er nie als Anwalt in einer Kanzlei Karriere machen. Von jeher vom Zeitungsgeschäft fasziniert, kaufte er 1922 mit geliehenem Geld seine erste eigene Zeitung, den «Staten Island Advance», und da er unermüdlich und sehr erfolgreich arbeitete, besass S. I. Newhouse einige Jahre später bereits diverse Lokalzeitungen von New York bis Alabama. Der eigentliche Durchbruch aber, welcher die Familie zu einer der reichsten und einflussreichsten Amerikas machen sollte, war der Kauf des Zeitungsverlags Condé Nast, welchen Newhouse 1950, angeblich als Geschenk für seine Frau zum 10. Hochzeitstag, erwarb.

Erfolgreiche Nachfolge

Newhouse schuf Quantität statt Qualität, der Profit diktierte die redaktionelle Linie. Als Newhouse 1979 starb, vererbte er seinen Söhnen Samuel Irving junior und Donald nicht nur einen sehr erfolgreichen Verlag, sondern auch ein aufwändiges Verfahren wegen Erbschaftsbesteuerung, das allerdings 1990 zugunsten der Familie eingestellt wurde.

Schon in den sechziger Jahren hatte S. I. Newhouse senior die Magazine seinem Sohn überlassen. Samuel Irving junior, der im Gegensatz zu seinem Vater nicht einmal das College abgeschlossen hat, galt von Anfang an als sehr schüchtern und zurückhaltend. Bis heute spricht er nur selten über familiäre Angelegenheiten. Andererseits entpuppte er sich als ein arbeitsbesessener Unternehmer, der nicht selten schon um fünf Uhr morgens, manchmal sogar früher, an seinem Schreibtisch sass. Darüber hinaus war er gefürchtet dafür, wichtige Chefredaktoren und Mitarbeiter zu entlassen, ohne sie persönlich darüber zu informieren. Als stiller, tüchtiger und vor allem vorausschauender Unternehmer investierte S. I. junior im Januar 1994 in das noch wenige bekannte Magazin «Wired», das sich mit aktuellen Trends, insbesondere im Bereich der digitalen Medien, beschäftigt, und sich rasch zu einem wichtigen Referenz-Medium der Online-Branche entwickelte. Dieser Einstieg öffnete auch dieTüren für neue Bereiche. 1995 wurde die Online-Abteilung der Firma etabliert und verwertet seitdem Material aller 27 Condé-Nast-Magazine.

Gewinne nach Sparmassnahmen

Wie schon ihr Vater, so haben auch seine beiden Söhne ihre Nachfolge geregelt. Im Gespräch sind ein Neffe, Jonathan (53), der in London die internationalen Geschäfte tätigt, und Donalds Sohn Steven (48), der für die Internet-Aktivitäten zuständig und gleichzeitig Chefredaktor von «Jersey Journal» und «Golf Digest» ist. Unter dem Einfluss von Steven Newhouse ist die journalistische Qualität der gesamten Newhouse-Zeitungskette in den letzten Jahren gestiegen.

Auch wenn der Condé-Nast-Verlag keine Geschäftszahlen veröffentlicht, so galt laut «New York Times» das Jahr 2003 intern als Rekordjahr. Nachdem die Redaktionen zu drastischen Sparmassnahmen angehalten worden waren, erwirtschaftete der Verlag im selben Jahr einen Gewinn von 120 Millionen Dollar, während im Vergleich dazu noch zehn Jahre zuvor ein Verlust von jährlich 20 Millionen Dollar verzeichnet worden war. Die Familie, die mit sieben Milliarden Dollar Vermögen Platz 66 auf der «Forbes»-Liste der weltweit reichsten Menschen belegt, besitzt neben dem Zeitungsgeschäft auch Anteile an Kabelnetzen in mehreren US-Bundesstaaten mit insgesamt 2,1 Millionen angeschlossenen Haushalten und ist, zusammen mit anderen Konzernen, am Medien- und Unterhaltungsunternehmen Discovery Communications Inc. ­beteiligt, das nach eigenen Angaben weltweit mehr als 1,2 Milliarden Kunden erreicht.


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