Erfolgreiche Kooperation mit Brüchen

von Ora Cohen und Jacques Ungar, November 13, 2008
In den letzten zehn Jahren haben Indien und Israel bilaterale Rüstungsgeschäfte im Wert von neun Milliarden Dollar abgewickelt. Die Kooperation läuft weiter auf Hochtouren, doch zeigen sich in letzter Zeit einige Wolken am Horizont.
BILATERALE RÜSTUNGSGESCHÄFTE Indien kauft in Israel unter anderem Spionageflugzeuge

Indien verhandelt derzeit über den Abschluss eines Kaufs von vier Spionage- und Frühwarnflugzeugen von Israel im Wert von 1,5 Milliarden Dollar. Zu diesem Zweck führte in den letzten Tagen eine vom indischen Verteidigungssekretär Vijay Singh angeführte hochkarätige Delegation Gespräche in Israel. Der indischen Delegation gehörten Vertreter der indischen Rüstungsindustrie, der Armee und der Luftwaffe sowie Experten für militärische Forschung und Entwicklung an. Zur Diskussion stand neben dem Erwerb der genannten Flugzeuge auch der Kauf von Raketen. Aus Kreisen der israelischen Rüstungsindustrie verlautete, die indischen Gäste hätten mit den israelischen Gesprächspartnern auch über eine Kooperation in Bereichen wie Geheimdienste und Terrorbekämpfung diskutiert.
Der Deal bezüglich der Phalcon-Awacs-Flugzeuge und -Radareinrichtungen wäre die Fortsetzung eines von der Israelischen Luftfahrtbehörde IAI bereits im Jahr 2004 unterzeichneten Vertrags über 1,1 Milliarden Dollar, der die Lieferung von vier Spionageflugzeugen beinhaltete und der Anfang 2010 erfüllt sein wird. Die Verhandlungen über das derzeitige Geschäft haben vor einigen Monaten begonnen und wurden diese Woche in Israel fortgesetzt. Zu anderen grossen Rüstungsgeschäften zwischen den beiden Staaten gehören der Verkauf von See-See-Raketen (Wert: 640 Millionen Dollar) und der Erwerb von Luftabwehrraketen im Wert von 260 Millionen Dollar durch Indien.

Aktivitäten der israelischen Rüstungsindustrie können von den lokalen Medien nur sehr unvollständig abgedeckt werden, man ist punkto Informationen auf ausländische Quellen angewiesen. So zitierten israelische Zeitungen dieser Tage die «Times of India», die zu berichten wusste, dass der fortgesetzte Kauf von Raketenabwehrsystemen und die Kooperation in den Bereichen der militärischen Forschung und Entwicklung und der geheimdienstlichen Tätigkeit Gegenstand der Verhandlungen waren. Die Rüstungsgeschäfte zwischen Indien und Israel haben nach Angaben des Blattes in den zehn Jahren seit 1999 einen Wert von acht Milliarden Dollar erreicht. Im Gegensatz zu früheren indischen Regierungen sei die heutige Koalitionsregierung allerdings sehr darauf bedacht, die Rüstungskooperation zwischen den beiden Staaten aus dem Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit herauszuhalten.

Die über viele Jahre problemlose und für beide Seiten erspriessliche Rüstungszusammenarbeit zwischen Indien und Israel ist in letzter Zeit von einigen unbequemen Erscheinungen überschattet worden. So beklagen sich die Inder über Lieferungsverzögerungen für das erste Überwachungsflugzeug. Aus Kreisen der IAI verlautete dazu, die erste Awacs-Maschine werde Indien «in den nächsten Wochen» überstellt werden. Die Verzögerung sei, wie es heisst, auf Probleme zurückzuführen, die während Testflügen entdeckt worden seien. Man habe die Probleme inzwischen beheben können. Die indische Seite unterstreicht, solche Lieferungsverzögerungen seien künftig zu vermeiden. Ferner prüft die indische Untersuchungsbehörde seit einiger Zeit schon Verdachtsmomente, die auf Bestechungszahlungen bei früheren Rüstungsdeals zwischen den beiden Ländern hinweisen und in die auf israelischer Seite die IAI und der Rüstungsbetrieb Rafael Advanced Defense Systems verwickelt sein sollen. Diese Untersuchungen sollen für die Verzögerung beim Abschluss eines weiteren 1,5-Milliarden-Dollar-Deals verantwortlich sein, in dessen Mittelpunkt die Entwicklung des Antiraketensystems Barak für Indien steht. Israelische Kreise sind aber zuversichtlich, dass der Handel zustande kommen wird.