Er kam , sah und...

October 9, 2008

Er kam ins Heilige Land, sah und, tatsächlich, er siegte auch, der greise, von Krankheit gezeichnete Papst Johannes Paul II. Er sah, wie Viele dies- und jenseits der «grünen Linie» mehr oder weniger plump versuchten, die Pilgerreise politisch auf ihre Mühle zu lenken. Und er siegte, indem er sich von niemandem um den Finger wickeln liess. Das überrascht nicht sonderlich, hatte der Papst doch mehr als zwei Jahrzehnte Zeit, sich in dem an Intrigen, komplexen Beziehungen und Interessengegensätzen wahrlich nicht armen Vatikan bestens auf die Pilgerfahrt seines Lebens vorzubereiten. Der Papst siegte auch, indem die Proteste von Fanatikern gegen seine Anwesenheit in Israel und den palästinensischen Gebieten sich auf ein paar wenige Ereignisse am Rande reduzierten, die so bedeutungslos waren, dass sie in Vergessenheit gerieten, noch bevor sie sich richtig zugetragen hatten.

Auf seinen wichtigsten Sieg wird der Papst, werden seine Nachfolger noch lange warten müssen, und es ist alles andere als sicher, ob er sich im gewünschten Umfange einstellen wird. Dieser Sieg ist erst dann garantiert, wenn die von Johannes Paul II. verkündete Botschaft der Reue und der Ablehnung des Antisemitismus von der Spitze der Kirche hinunter zur Basis sickert und beispielsweise im abgelegenen Bergdorf dafür sorgt, dass die von Judenfeindlichkeit triefenden Passionsspiele ersatzlos gestrichen werden. Damit aber noch nicht genug. Die ergreifenden Bilder des Karol Wojtyla an der Westmauer und in Yad Vashem werden erst dann zu mehr als Momentaufnahmen der Geschichte werden, wenn die heute in Ländern wie Österreich, Frank-reich und der Schweiz salonfähigen rechtslastigen Parteien samt ihren Führern offiziell zu dem gestempelt werden, was sie seit langem schon sind: Zu Sammelbecken von Fremdenhassern, Ewiggestrigen und solchen, die ein Substitut für ihren immer noch nicht wieder genehmen Antisemitismus suchen. Bei der Bekämpfung dieser Gruppen kann und muss die katholische Kirche an vorderster Front mitmachen. Und sei es auch nur, um Unterlassungssünden der letzten 2000 Jahre zu kompensieren.

JU / MO