Entsetzt
Als er noch deutscher Aussenminister war, wehrten sich die eigenen Diplomaten, als er Nachrufe auf Botschafter mit Nazivergangenheit abschaffte. Fischer ordnete 2005 eine internationale historische Untersuchung über das Auswärtige Amt während der NS-Zeit an. Moshe Zimmermann, Historiker der Hebräischen Universität Jerusalem, arbeitete mit. Der Bericht, der dieser Tage vorgestellt wird, enthüllt Schockierendes. So befürwortete Staatssekretär Ernst von Weizsäcker, der aus der deutschen Gesandtschaft in Bern nach Berlin zurückgerufen und später in Nürnberg zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden war, die Ausbürgerung von Thomas Mann «wegen feindseliger Propaganda im Ausland». Das Auswärtige Amt beteiligte sich über sein «Judenreferat» auch aktiv an der Judenvernichtung. «Es war eine verbrecherische Organisation», sagte der Marburger Historiker Eckart Conzé zum «Spiegel». Fischer, Träger der Ehrendoktorwürde der Universität Haifa, sagte, er sei entsetzt. Sein Kommentar: «Jetzt haben sie den Nachruf, den sie verdienen.» [GB]