Ennahda gibt sich gemässigt
Obwohl die offiziellen Wahlergebnisse kaum vor Mittwoch zu erwarten sind, hat die sich als gemässigt gebende islamistische Partei Ennadha bereits als Siegerin in den ersten freien, demokratischen Wahlen deklariert, die Tunesien seit seiner Gründung 1956 am Sonntag erleben durfte. Angesichts der Tatsache, dass viele Menschen in Tunesien und in anderen Staaten in der Region den strikten Islamismus als Bedrohung für moderne, liberale Werte ansehen, bekräftigten am Montag Sprecher der Partei ihre Bereitschaft, mit zwei säkularen Parteien eine Allianz einzugehen. «Wir werden keine Anstrengungen für die Schaffung einer stabilen politischen Allianz unterlassen», meinte ein Vertreter von Ennadha, der gleichzeitig ausländische Investoren und Wirtschaftspartner zu beruhigen versuchte. Die Wahlen vom Sonntag galten der Bildung einer Versammlung, die innert einem Jahr eine neue Verfassung entwerfen muss. Eigentliche Wahlen für einen Präsidenten und eine Regierung sind für anfangs 2013 vorgesehen. – In Tunesien hat der «arabische Frühling», der sich inzwischen auf fast die ganze arabische Welt ausgedehnt hat, seinen Anfang genommen. [JU]