Eine Wasserkrise vermeiden

September 26, 2008
Der gleichermassen für Israeli wie für Palästinenser lebenswichtige Wasser-Aquifer unter der Westbank muss mit immer schlimmeren Verschmutzungen rechnen, wenn es den beiden Seiten nicht gelingen sollte, über alle politischen Divergenzen hinweg zum Wohle der Gesamtbevölkerung zusammenzuarbeiten.

Die Verschmutzung der Wasserläufe der Westbank nimmt eine immer bedrohlichere Form an, und die Auswirkungen auf die Grundwasserreserven für Israel wie für die Palästinenser werden immer akuter. An einer Pressekonferenz machten das Umweltministerium, die Behörde zum Schutz von Natur- und Nationalparks sowie die für die Vorgänge in der Westbank verantwortliche Zivilbehörde mit Hilfe einer Studie auf die Situation aufmerksam.

Der im Wesentlichen unter der Westbank gelegene israelische Berg-Aquifer ist sowohl für Israel als auch die Palästinenser die wichtigste Wasserquelle, liefert er doch jährlich 600 Millionen Kubikmeter Wasser. Der grösst Teil davon ist der Verschmutzung ganz besonders ausgesetzt, was vor allem deshalb schwerwiegende Folgen haben kann, weil die dem Aquifer zugefügten Schäden nicht rückgängig gemacht werden können. Die Palästinenser steuern jedes Jahr an die «Gesamtrechnung» 56, israelische Quellen steuern 17,5 Millionen Kubikmeter Abwasser bei. 94 Prozent des palästinensischen Abwassers wird in Jauchegruben und anderen Ablagen deponiert und gelangt von dort unbehandelt in die Flüsse und Ströme der Gegend. 4,5 Prozent des palästinensischen Abwassers werden in Israel und 1,5 Prozent in der Westbank gereinigt. Etwas besser präsentiert die Situation sich in Israel, wo 31,5 Prozent des Abwassers unbehandelt in die Flüsse und Ströme gelangt. 30 Prozent des israelischen Abwassers werden in Israel, und 38,5 Prozent in der Westbank gereinigt.

Die in der jetzt veröffentlichten Studie gesammelten Daten unterstreichen die Notwendigkeit für eine systematische Kontrolle der Wasserverschmutzung und eine strikte Anwendung der vorhandenen Gesetze und Regulierungen. Andernfalls werden in absehbarer Zeit Israeli wie Palästinenser gleichermassen unter irreversiblen, dem Wasser-Aquifer zugefügten Schäden leiden. Immer dringlicher wird zudem die Errichtung neuer, intensiv arbeitender Kläranlagen, die vor allem mit jenen Dörfern und Städten zu verbinden sind, die heute noch ihre Abwasser unbehandelt in Flüsse und Ströme fliessen lassen. Experten sind sich darin einig, dass die Verhinderung einer alarmierenden Wasserkrise ohne eine anhaltende, gründliche Zusammenarbeit zwischen Israeli und Palästinensern nicht zu erreichen ist. [JU]