Eine «riesige Chance»?

Von Valerie Wendenburg , May 20, 2010
Eine vom Vorstand der Israelitischen Gemeinde Basel eingesetzte Task Force präsentiert ein neues Konzept, um die Jüdische Primarschule Leo Adler zu retten.
STÄRKEN INDIVIDUELL FÖRDERN Das neue Schulkonzept sieht klassenübergreifende Lerngruppen vor

Nachdem die Zukunftsperspektiven der Jüdischen Primarschule Leo Adler (JPS) in der jüngsten Vergangenheit nicht gerade rosig aussahen, präsentiert die Task Force nun ein Konzept für die «neue jüdische Primarschule Leo Adler», das die Befürworter der Institution hoffen lässt. Joel Weill, Mitglied der Task Force und Vorstandsmitglied der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB), zeigt sich gegenüber tachles erfreut: «Ich sehe in unserem Konzept eine riesige Chance, die wir packen sollten.» Die Task Force hat die Eltern am Sonntag an einer Informationsveranstaltung und die Gemeindemitglieder an der Generalversammlung am Donnerstag über das neue Konzept informiert. Der Ball liege nun bei den Eltern, betont Weill, der auf positive Resonanz hofft. Die Ziele der Task Force könnten optimal umgesetzt werden – bei angeblich geringeren Kosten als bisher.

Kooperation mit Academia

Das neue Konzept sieht vor, mit der Privatschule Academia aus Basel zu kooperieren, wobei die Academia die Erteilung des Profanunterrichts verantworten würde. Für den Jüdischunterricht wäre weiterhin der Verein Jüdische Primarschule verantwortlich, eine gemeinsame Schulleitung soll einen optimalen Schulbetrieb sichern. Von der Academia zeichnet neben dem Unternehmensleiter François Matthey auch Vivi Günsberg verantwortlich – sie hat die pädadogische Leitung des Lernzentrums inne. Günsberg ist Mitglied der IGB und ehemalige Schülerin der JPS. Der Zusammenschluss beider Institutionen soll eine optimale profane und jüdische Ausbildung garantieren, wobei die familiäre Atmosphäre der JPS sowie die «Stärkung der jüdischen Identität und der Verbindung mit Israel» laut Konzept erhalten bleiben sollen. Gleichzeitig sei die Koordination mit staatlichen Anschlussschulen in Basel-Stadt und Baselland gesichert.

Günstiger als bisher

Neu an der neuen Schule wäre die Art des profanen Unterrichts, der von der Academia erteilt würde. Die Privatschule organisiert den Unterricht und stellt die Lehrpersonen, welche in den Räumlichkeiten der Jüdischen Primarschule unterrichten. Klassenübergreifend sollen Lerngruppen gebildet werden, in denen Schülerinnen und Schüler der ersten bis dritten und der vierten bis sechsten Klassen zusammen unterrichtet werden. Dieser «Dorfcharakter» würde es erlauben, die Kinder einzeln zu fördern, so Weill. Des Weiteren würde so sichergestellt, dass auch Kinder aus sehr geburtenschwachen Jahrgängen in einer Gruppe unterrichtet werden können. Die Fachkräfte der Academia praktizieren diese Unterrichtsform schon seit mehreren Jahren und haben viele positive Erfahrungen gesammelt. Es sei angedacht, dieses Modell von der Academia zu übernehmen und auch in den jüdischen Fächern anzuwenden, die etwa zehn Stunden pro Woche ausmachen und wie bisher mit dem Morgengebet beginnen werden.
Noch nicht ganz so konkret wie ein detaillierter möglicher Stundenplan, der den Eltern vorgelegt wurde, sind die allenfalls anfallenden Kosten. Joel Weill betont, dass die neue jüdische Primarschule weitaus günstiger wäre als die bisherige Schule. Ins Detail möchte er nicht gehen, aber er sagt gegenüber tachles: «Die neue jüdische Primarschule kostet in sechs Jahren weniger, als die Schule bisher in nur vier Jahren gekostet hat.» Dennoch: Das Schulgeld für die Eltern wird ansteigen, denn «wir möchten sicher kalkulieren und nachhaltig planen», so Weill. So würde die neue Schule, die ab dem Schuljahr 2012/13 starten könnte, für die erste bis dritte Klasse pro Kind im Monat 950 Franken kosten, für die vierte bis sechste Klasse 1050 Franken. Wie bisher würden finanzielle Lösungen gesucht werden, wenn Eltern das Schulgeld nicht bezahlen könnten.
Die Task Force wartet nun die Reaktionen der Eltern ab und geht auf weitere Eltern zu, deren Kinder zurzeit noch nicht in der JPS sind. Durch die Harmonisierung der Primarschulen (Harmos) in Basel-Stadt und Baselland sei es nun vielleicht leichter, Kinder aus Baselland zu erreichen, so Weill. Wichtig sei, dass die Schule wie bisher allen Kindern offen stehe, egal mit welcher religiösen Ausrichtung sie erzogen werden. «In der neuen Schule soll die Einheitsgemeinde gelebt werden», sagt Weill, der in dem Konzept eine «tolle Möglichkeit» sieht, die Zukunft der JPS zu retten.