Eine Liebeserklärung an den israelischen Film
Vom 5. bis 9. November finden erneut die Internationalen Kurzfilmtage Winterthur statt. Einen Schwerpunkt bildet dieses Jahr der Schweizer Schulfilmtag, an dem sich die fünf wichtigsten Filmschulen präsentieren. Eine Reihe mit Armee- und AntiHeimatfilmen, bei der unter anderem Perlen aus dem Armeearchiv von Kurt Früh und Markus Imhoof und als Kontrastprogramm heimatkritische Werke von Peter Liechti und Herbert Achternbusch gezeigt werden, sowie Filmwerke aus dem Gastland Israel runden das Festival ab.
Die Idee sei nicht neu, Israel als Spezialprogramm zu thematisieren, sagt Ronit Zafran, die als Kuratorin für das Spezialprogramm zuständig ist. «Da in Winterthur schon immer israelische Kurzfilme in den Internationalen Wettbewerbsblöcken gezeigt wurden und in den letzten Jahren die israelischen Filme durch ihre hohe Qualität speziell aufgefallen sind, war es an der Zeit, Israel ins Spezialprogramm aufzunehmen», so Zafran. Das 60-Jahr-Jubiläum des Landes sei zudem eine gute Gelegenheit, einen historischen Rückblick zu bieten. Dieser soll zeigen, was das Land seit der Staatsgründung filmisch geschaffen hat. Das israelische Kino hat längst einen festen Platz in der internationalen Filmlandschaft. Filme aus Israel wurden in den letzten Jahren an allen wichtigen internationalen Festivals gezeigt. «Die israelischen Filmschulen haben gute Namen und sind weltweit bekannt wie zum Beispiel die Filmschulen Sam Spiegel oder Sapir», sagt Zafran. Auch in Winterthur ist fast jedes Jahr mindestens ein israelischer Kurzfilm in den Internationalen Wettbewerbsblöcken zu sehen. Vor zwei Jahren ist ausserdem der Film «The Substitute» von Talya Lavie mit dem Förderpreis ausgezeichnet worden.
Chaos und Leidenschaft
Das Erfolgskonzept eines kleinen Landes, dem es immer wieder gelingt, intime filmische Alltagsgeschichten zu produzieren, die von universeller Gültigkeit sind, sei die multikulturelle Gesellschaft in Israel. Diese spiegele sich in den meisten Filmen wider. «Die Herkunft und der Hintergrund der Filmemacher machen sicherlich einen grossen Teil der Diversität der Filme aus. Dazu kommt die Fähigkeit, die konfliktgeladene, oft harte Realität des Alltags künstlerisch umzusetzen», unterstreicht Zafran. Der Konflikt könne leider nicht einfach ausgeschaltet werden. In den meisten Filmen sei er unterschwellig spürbar. «Trotzdem haben wir versucht, Filme auszusuchen, in denen der Konflikt nicht im Vordergrund steht, damit der Zuschauer für einmal hinter die medialen Kulissen blicken kann. Wir glauben, dass der Titel des israelischen Spezialprogramms, «Chaos und Leidenschaft», das Land als Gefühlszustand wiedergibt. Edgar Kerets Definition des hebräischen Worts «Balagan» hat uns aus der Seele gesprochen. Chaos soll in diesem Fall durchaus positiv verstanden werden», erzählt Zafran, die neben Rona Grünenfelder und Sascha Bleuler für das Programm sowie für die Gästebetreuung verantwortlich ist. Die drei Frauen übernehmen während des Festivals auch die Moderation der Filmgespräche zwischen den Filmblöcken.
Kulturelle Retrospektive
Laut Zafran zeigt die hohe Besucherzahl am diesjährigen Zurich Film Festival, das Israel in sein Spezialprogramm aufgenommen hatte, dass das Interesse an israelischen Filmen gross ist. Filme wie «The Band’s Visit» oder «Lemon Tree» haben internationale Erfolge verbucht. Sicherlich gebe es auch Besucher, die die Filme mit einer gewissen Skepsis ansehen, aber «unsere Filmauswahl zeigt kritische, differenzierte Filme. Wir glauben, dass alle auf ihre Kosten kommen», sagt die Kuratorin, die vom Film «With Rules» von Dover Koshashvili, der am Festival gezeigt wird, vollends überzeugt ist.
Die Kurzfilme reflektieren den aufregenden Wandel der israelischen Gesellschaft seit der Staatsgründung. Im Zentrum des diesjährigen Festivals, das von verschiedenen Institutionen und Stiftungen finanziert wird, stehen der internationale Wettbewerb sowie drei Blöcke mit schweizerischem Kurzfilmschaffen. Zusätzlich dazu gibt es jedes Jahr ein Spezialprogramm, bei dem die Themenwahl jeweils variiert. Neben den Filmen aus Israel mit je vier Programmblöcken sind dieses Jahr im Spezialprogramm auch drei weitere Themen mit je einem Programmblock zu sehen: Dem Zuschauer werden Filme zu Montevideo, eine Retrospektive von Nicolas Provost sowie das Thema Heimatverleider geboten.
Weitere Infos unter: www.kurzfilmtage.ch.