Eine «heimische» Nacht

Von Tom Tugend, March 4, 2011

Während der Eröffnung der Oscar-Zeremonie spielten die Gastgeber James Franco und Anne Hathaway kurz mit einem Trendel, dem in jüdischen Haushalten am Chanukkafest gerne benutzten Spielzeug. Das erwies sich als gutes Omen dafür, dass jüdische Talente mit einem guten Abend rechnen durften.
Zu den Spitzengewinnern zählte denn auch die in Israel geborene, strahlende und sichtlich schwangere Natalie Portman, die für ihre Rolle in «Black Swan» den Oscar für die beste Schauspielerin erhielt. Emile Sherman, Abstämmling einer prominenten jüdisch-australischen Familie, nahm als einer der drei Produzenten des zum besten Film gekrönten «The King’s Speech» den Oescar entgegen, und die Namen weiterer jüdischer Schriftsteller folgten: Der britische David Seidler, 73, gewann mit seinem Originaldrehbuch für den gleichen Film, während Aaron Sorkin («The Social Network») einen Preis für das beste adaptierte Drehbuch nach Hause nehmen durfte. Seidler, dessen Grosseltern teilweise im Holocaust umkamen, wuchs übrigens passenderweise als Stotterer auf. Die dänische Produzentin und Autorin Susanne Bier, die zwei Jahre an der Hebräischen Universität und der Bezalel-Kunstakademie in Jerusalem studiert hatte, erhielt die begehrte Figur für «In a Better World», den besten fremdsprachigen Film. Die Vorfahren der in einem traditionellen jüdischen Heim aufgewachsenen Susanne Bier mussten sich vor Verfolgungen im zaristischen Russland und in Nazi-Deutschland retten. – Produzent und Autor Lee Unkrich erhielt die Auszeichnung für seinen Feature «Toy Story 3», und für den gleichen  Film wurde das Lied «We Belong Together» des Komponisten Randy Newman geehrt. Der Preis für die beste Tonmischung ging an Lora Hirschberg und zwei Kollegen für ihren Beitrag zum Film «Inception».
Unter den Oscar-Präsentatoren entdeckte man Kirk Douglas, Scarlett Johansson, Billy Crystal und Steven Spielberg. Und wem das für die «heimische» Atmosphäre nicht reichte: Gastgeber James Franco liess es sich nicht nehmen, seine im Publikum sitzende strahlende jüdische Mutter und ebensolche Grossmutter persönlich vorzustellen.